05.04.2008
Ein Mann sieht rot
Mehdorn stellt die Weichen falsch

Die Deutsche Bahn setzt ihren Kampf gegen den „Zug der Erinnerung“ fort. Mehdorns Geldgier scheint endgültig obsiegt zu haben.
DB-Vorstandsmitglieds Dr. Otto Wiesheu (CSU, DB-Vorstand Wirtschaft und Politik). Wiesheu teilte mehreren Bundestagsabgeordneten jetzt schriftlich mit, daß die Bahn AG den „Zug der Erinnerung“ weiterhin mit Gebühren belegen werde.


Hartmut Mehdorn
Der Zug muss pro Bahnkilometer rund 3,50 Euro, pro Abstellstunde 5,00 Euro und pro Ausstellungstag für das Gedenken 450 Euro zahlen. Insgesamt erwartet die private Bürgerinitiative DB-Rechnungen in Höhe von über 100.000 Euro. Laut Wiesheu ist das Gedenken („Inanspruchnahme der Eisenbahninfrastruktur“) ohne Einschränkung „kostenpflichtig“. Eine Bitte um Stundung der Forderungen hat die Bahn AG kategorisch abgelehnt.

In seinem Schreiben weist Wiesheu den Appell von Abgeordneten sämtlicher Bundestagsparteien zurück, die sich am 15. Januar 2008 an den Vorstands- vorsitzenden Dr. Hartmut Mehdorn gewandt hatten. Mehdorn war fraktions- übergreifend vorgeschlagen worden, die verlangten Kosten für das Gedenken einzuziehen, aber durch eine Spende in gleicher Höhe zu neutralisieren.

Ulla Jelpke
Wie Wiesheu jetzt schreibt, werde sich die Bahn AG dem „massive(n) öffentliche(n) Druck“ „nicht beugen“. Bemerkenswert, wie der gescheiterte Bahnchef sein Unternehmen in den Ruf bringen darf, nichts aus der Mordära der „Deutschen Reichsbahn“ gelernt zu haben. Kein Politiker vermag es offenkundig, ihn zu stoppen.

„Die Bahn AG soll dem „Zug der Erinnerung“, der an die von der Reichsbahn deportierten Kinder erinnert, endlich freie Bahn gewähren“, fordert die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, Ulla Jelpke. Das heute bei Frau Jelpke eingetroffene Schreiben der Bahn AG bestätige eindrücklich, dass Bahnchef Mehdorn offenbar ein persönliches Problem mit dem „Zug der Erinnerung“ habe, so die Abgeordnete.

Jelpke hatte bereits im Februar gefordert, dem Zug „keine weiteren Hürden finanzieller oder bürokratischer Art in den Weg zu legen“. Darauf ließ der Bahnchef nun mit schweren Vorwürfen gegen die Initiatoren des Zuges antworten. Er sehe sich „einer Kampagne gegen die Deutsche Bahn“ ausgesetzt, so Mehdorns Sprecher, die der Bahn vorwerfe, die Geschichte der Reichsbahn im Nationalsozialismus zu leugnen. Diese Vorwürfe entbehrten „jeder Grundlage“, und er habe damit „ein ernsthaftes Problem“, so heißt es weiter in dem Schreiben. „Ziel der Kampagne scheint vor allem zu sein, Teile der Kosten von DB AG finanzieren zu lassen, indem massiver öffentlicher Druck erzeugt wird.“

Ulla Jelpke: „Ist dem Bahnchef jemals der Gedanke gekommen, er sei durch seine unsägliche Obstruktionspolitik selbst verantwortlich für die Vorwürfe, die gegen ihn und gegen die Bahn AG erhoben werden? Erst hieß es, der Zug könne aus Sicherheitsgründen überhaupt nicht auf Bahnhöfen gezeigt werden, dann wird Geld für die Trassenutzung kassiert, und nun soll, wiederum aus angeblichen Sicherheitsbedenken, der Berliner Hauptbahnhof für den Zug der Erinnerung gesperrt bleiben.

Mehdorn stellt permanent die Weichen falsch und spielt anschließend die verfolgte Unschuld. Ich fordere die Bahn AG auf, dem Zug der Erinnerung endliche freie Bahn zu gewähren.“