27.03.2008
Kampagne: Der Feind ist der „Rentner“
BILD macht Stimmung gegen die Rentenerhöhung

(fk) „Höhere Rente senkt den Nettolohn“ heisst es in der berüchtigten Balkenüberschrift der BILD-Zeitung. „Höhere Renten kosten Arbeitnehmer bis zu 21 Euro netto mehr im Monat“. Bild lenkt so einmal mehr die öffentliche Aggression gegen die Rentner und versucht, sie gegen die Arbeitnehmer auszuspielen.

Mit dieser Kampagne schafft sie als zusätzliches gesellschaftliches Feindbild die „Rentnerfeindlichkeit“. Der gedankliche Schritt, Rentner seien weniger wert als Arbeitnehmer, das Aussortieren nach nützlich und wertlos ist die unterschwellige Botschaft von „BILD“. Die 68er-Generation hat so etwas „faschistoid“ genannt und schon vor 40 Jahren die Enteignung des Springer-Konzerns gefordert.

Dass BILD mit ihrer Propaganda die maßgeblichen Tatsachen verdreht und sich mit ihrer Schlagzeile zum politischen Sprachrohr des Arbeitgeberverbandes und der privaten Altersvorsorge-Lobby macht, hat Wolfgang Lieb in den Nachdenkseiten umfassend dargelegt. Aber nur die wenigsten der BILD-Leser werden vermutlich die Absicht ihres Leitmediums durchschauen und kaum begreifen, dass BILD gegen ihre Interessen agiert.

Es ist ist gespenstisch: Der Crash der Mittelstandsbank, mitverursacht vom SPD-Finanzminister Steinbrück, soll mit 8000 Mio Euro Steuermitteln – so auch der Wunsch und Wille des Raubtier-Managers Ackermann – gemildert werden, gleichzeitig jammert die gleiche Wirtschaftselite trotz explodierender Unternehmensgewinne, wenn den Rentnern eine lächerliche Rentenerhöhung von 1,1% zuerkannt werden soll.

Nach  letzten  Umfragen gibt es für die geplante Rentenerhöhung eine breite  Mehrheit  in  der  Bevölkerung, die Arbeitgeber verhalten sich aber so,
als würde es sich um einen finanziellen Weltuntergang handeln.

Klaus Ernst von der LINKEN weist zu Recht darauf hin, dass die Arbeitgeber mit ihrer Forderung nach noch geringeren Rentenerhöhungen für unsere Gesellschaft eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Während die Rentenpolitik der letzten Jahre schon heute zu einem ständigen Kaufkraft- verlust für Rentnerinnen und Rentner führt, wollen die Arbeitgeber mit ihrem Gezetere die eigenen Rentenbeiträge schonen und älteren Generationen gänzlich um einen würdigen Lebens- abend bringen.

Dabei ist es durch den Druck zur privaten Vorsorge schon heute so, dass die Arbeitgeber einen viel geringeren Anteil  an  der Altersvorsorgeleisten  als
Klaus Ernst


die Beschäftigten – nach den Plänen der Bundesregierung soll die einseitige Mehrbelastung der Arbeitnehmer bis 2030 sechs Prozentpunkte betragen. Während die Unternehmen von sinkenden Beitragssätzen zur Gesetzlichen Rentenversicherung profitieren, müssen die Beschäftigten privat vorsorgen, um das Sicherungsniveau zu halten.
Und offenkundig haben die meisten sich bereits in ihr Schicksal gefügt. 10,8 Mio Riester-Verträge sind eine Menge Holz und ein Indiz dafür, dass Politiker und Kapitalvertreter auf ihre Schäfchen letztlich zählen können.