09.01.2012
Hamburger Kunsthalle: Max Liebermann – Wegbereiter der Moderne

Max Liebermann – 1847 – 1935 – war es, der die Moderne in die deutsche Malerei einführte. Das zeigt die Hamburger Kunsthalle in einer umfangreichen Retrospektive. Enttäuscht wandte sich der junge Berliner Künstler vom Akademismus im Lande ab und ging nach Frankreich und in die Niederlande. Hier tauchte er in die progressiven Strömungen der Malerei ein. In Barbizon studierte er den Naturalismus und in Paris gab es den Kontakt zum französischen Impressionismus. Anders in den Niederlanden, hier traf Liebermann auf die Maler der Haager Landschaftsschule. Mit dem, was der Suchende sah, das floß in seine Arbeiten ein. Damit beschritt er stillistisch wie thematisch Neuland.

Da Liebermann bei seinen Arbeiten auf literarische und historische Bezüge verzichtete, brachte ihm das Kritik ein. Sie gipfelte in dem Schimpfwort „Schmutzmaler.“ Das änderte sich als er zum Mitgründer und Präsident der Berliner Secession gewählt wurde und er sich damit gegen die preußisch-wilhelminische Kunstpolitik richtete.

Die Hamburger Retrospektive umfasst über hundert Gemälde aus allen seinen Schaffensphasen. Der Kreis spannt sich vom bäuerlich ländlichen Themen, bürgerlichen Freizeitlebens, seine treffsicheren Portraits bis zu seinen farbintensiven Gartenbildern. Die Arbeiten stammen neben dem großen Bestand der Hamburger Kunsthalle aus nationalen und internationalen Museen, ergänzt mit Leihgaben aus Privatbesitz.

Arbeiten von Milhály Munkácsy, Adolf Menzel, Paul Cézane, und Auguste Renoir, sie waren wichtig für Max Liebmanns Kunstbegriff, runden die Ausstellung ab. Aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle werden zusätzlich Liebermanns eindruckvolle Pastelle mit Motiven der Elbmetropole gezeigt. Diese Arbeiten geben einen lebendigen Natureindruck wieder.

1933 befinden sich 62 Gemälde, Ölstudien, Pastelle, zahlreiche Zeichnungen und Grafiken im Besitz der Hamburger Kunsthalle. Sie hatte den größten Bestand seiner Arbeiten. Die Nationalsozialisten diffamieren den Künstler und seine Arbeiten werden auf Anordnung abgehängt. 1937 werden Max Liebermanns Arbeiten als Beispiel in der NS-Aktion „Entartete Kunst“ gezeigt. Seine aus den Museen entfernten Arbeiten werden über den Kunsthandel ins Ausland verkauft.

Schwierig ist es nach dem Ende der NS-Diktatur das Aufspüren und wiederbeschaffen der aus den Sammlungen entfernten Bildern. Davon war auch die Hamburger Kunsthalle betroffen. Nach und nach kehren die Bilder wieder in die Hansestadt zurück.
khw

Max Liebermann – Wegbereiter der Moderne
Hamburg Kunsthalle bis zum 19.Februar 2012
Dienstag – bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr
Katalog 29,95 EUR