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Hamburger KUNSTHALLE:

Ausstellung Ernst Ludwig Kirchner

Ernst Ludwig Kirchner, Gründungsmitglied der Künstlergruppe „Brücke“ in Dresden 1905, ist einer der deutschen Künstler der Klassischen Moderne. Er komponierte Zeichnungen wie Gemälde. Diese großformatigen Blätter sind der Ausgang der Ausstellung von den Kustoden Urich Luckhardt und Marcus Andrew Hurtig zusammen getragen.

Es war Gustav Pauli, von 1914 bis 1933 Direktor der Hamburger Kunsthalle, der sich „nicht nur ein hamburgisches Museum, sondern das Museum einer Weltstadt" wünschte. Ab 1917 kam zeitgenössische Kunst als Expressionismus in die Ausstellungskabinette der Hamburger Kunsthalle.

Ernst Ludwig Kirchner war in der Sammlung der Gegenwartskünstler mit der größten Auswahl seiner Arbeiten vertreten. Museumsmann Pauli hielt Kirchner für einen „reinen und feinen Maler" mit einer großen Begabung. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch in der Hamburger Kunsthalle Zensur geübt. Gustav Pauli wurde seiner Funktion enthoben, von den Wänden und aus dem Depot verschwanden Arbeiten von den neuen Machthabern nicht gewünschten Künstler. Betroffen war auch Ernst Ludwig Kirchner. Vier seiner Gemälde, zahlreiche Zeichnungen sowie ein großes druckgrafisches Konvolut befanden sich in Hamburg. 1937 wurde die Kirchner-Sammlung als „entartete Kunst" aussortiert. Einzig seine Lithographie "Kopf Doris. Mädchen mit Kette" entging der Nationalsozialistischen Kulturbarbaren.

Heute hat die Hamburger Kunsthalle in ihrem Bestand wieder sieben Gemälde aus der Jahren 1910 und 1923. Hinzu kommen 23 Zeichnungen und Aquarelle und 77 druckgrafische Blätter. Diese sind besonders, da Kirchner im Bereich der Drucktechnik – Holzschnitt, Lithographie und Radierung – Lösungen fand, mit denen er seiner Zeit weit woraus war.
Der eigene Bestand an Arbeiten von Kirchner ist der Ausgang der Ausstellung. Zahlreich sind die Leihgaben aus bundesdeutschen Museen und dem Kirchner Museum in Davos die die Ausstellung bereichern. Auch Arbeiten aus privaten und ungenannten Sammlungen vervollständigen die Sicht auf die Kunst Ernst Ludwig Kirchner.

Eine „Ausstellung in der Ausstellung" nennt Hubertus Gaßner, Direktor der Kunsthalle, den Kern der Schau: Kirchners großformatige und großartige Zeichnungen im Format 90 mal 69 Zentimeter. In den Jahren von 1906 bis 1910 entstanden diese Zeichnungen - vorwiegend Aktdarstellungen - im Atelier. Das erste Mal sind 14 der 33 nachweisbaren Blätter vereint. Auch das Blatt "Kokotten im Café" gehört dazu.

In drei Kapiteln stellt die Ausstellung verschiedene Schaffensphasen von Kirchners vor. Das Frühwerk umfaßt Atelier- und Straßenszenen. In Dresden, wo Kirchner mit Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Fritz Bleyl die Künstlergemeinschaft "Brücke" gründete, sind es die Arbeiten des ehemaligen Architekturstudenten. Entweder Bilder aus dem Atelier oder aus der freien Natur, besonders die an den Moritzburger Teichen entstanden.

Die Sommerfrische auf Fehmarn sind der zweite Komplex. Von 1908 bis 1914 war Kirchner fast jedes Jahr auf der Ostseeinsel. Hier fand er seinen für ihn typischen Stil. Nicht nur hüllenloses Strandleben ist für Kirchner das Thema. Es sind auch Landschaften, die er zeichnet und malt.

Sein Spätwerk entstand in der Schweiz. 1915 wird er als dienstuntauglich aus dem Militärdienst entlassen. Seit dieser Zeit sucht der psychisch labile Künstler zur Behandlung nicht nur in
Deutschland Sanatorien auf. 1917 ist er in einem Sanatorium in Davos in der Schweiz zur Behandlung. Dieses Bergdorf wird bis zu seinem Freitod 1938, wohl aus Angst, daß die Schweiz wie Österreich in diesem Jahr, seine Grenzen für die Nationalsozialisten öffnet. Dieser Wunsch war bei zahlreichen Schweizern vorhanden, wie Historiker heute belegen können. Trotz körperlicher und seelischer Einschränkungen entstehen in der Bergwelt zahlreiche wichtige Werke, auch im Bereich seiner Druckgrafik.
khw"Kirchner" Hamburger KUNSTHALLE

Bis zum 16. Januar 2011 - Dienstag bis Sonntags 10 – 18 Uhr - Donnerstag 10 – 21 Uhr.

Der vorzüglich editierte Katalog kostet in der Ausstellung 29,00 EUR