Das Bucerius-Kunst-Forum hat dem Jahrhundert-Künstler Marc Chagall eine Ausstellung gewidmet. Nach 1959, sie fand in der Hamburger Kunsthalle statt, ist es die zweite Ausstellung, die seinem künstlerischen Schaffen widmet ist. Es ist keine Ausstellung, die das gefällige Spätwerk des jüdisch-russisch-französischen bildenden Künstlers vermittelt.
Ansatz für die Hamburger Ausstellung ist Chagalls künstlerisches Schaffen, seinen Ansatz wie die Themen aus seiner Autobiographie darzustellen wie auch zu deuten. Die Exponate der Ausstellung „Lebenslinien“, Gemälde, Zeichnungen und Grafiken, sind Leihgaben des Israel-Museums aus Jerusalem, die zum ersten Mal hierzulande gezeigt werden. Daß die Ausstellung überhaupt zustande gekommen ist, ist auch der Familie des Künstlers zu verdanken.
Chagall mit Chagall erklären ist das Konzept der Ausstellung im Bucerius Kunstforum. Hier ist der Ausgangspunkt Chagalls Autobiographie "Mein Leben", die der Künstler im Alter von 35 Jahren schrieb. Auch die Erinnerungsbücher „Brennende Lichter" und „Erste Begegnung" von Bela, Chagalls erster Ehefrau geschrieben, fanden Eingang ins Ausstellungskonzept. Mit 80 Tuschzeichnungen hat Chagall die Bücher illustriert. In den Texten von Marc wie Bela Chagall geht es um das Leben im Schtetl, der vom Judentum im Osten geprägten Wohnbezirke der Dörfer und Städte.
Marc Chagall wurde nach dem gregorianischen Kalender am 6.Juli 1887 in der heute zu Weißrußland gehörenden Stadt Witebsk geboren. Hier verbrachte er Kindheit und Jugend, an die er sich ein Leben lang erinnert. Es sind Alltagsszenen aus dieser Stadt, die er in seinen Arbeiten verwendet: Holzhäuser, russisch/orthodoxe Kirche, aber auch jüdische Riten und Feste, die er auf die Leinwand bringt. Zu seinem lebenslangen Thema wird für ihn die facettenreiche Welt des Ostjudentums. Dazu entstehen zahlreiche Bilder und Zeichnungen.
Anders wie die westlichen Künstler seiner Generation mußte Chagall nicht wie Gaugin und Nolde zu entfernten Horizonten aufbrechen, wo sie nach neuen Maßstäben für ihre Kunst suchten und fanden. In der Südsee ließen sie sich von den Farben und Landschaften inspirieren. Matisse studierte die Ikonenmalerei in Rußland und Picasso schuf mit seinen Desmoiselles d'Avignon das zentrale Bild einer Epoche, die sich von fremden Kulturen erneuern ließ. Chagall der erkannte den Exotismus seines persönlichen Hintergrundes als seinen Wert für die künstlerische Entwicklung. Auch realisierte er, welches Potenzial darin lag, die jüdischen Bildthemen in das größte Formexperiment seit der Renaissance einzubeziehen.
Marc Chagall mußte erleben, daß die Welt seiner Kindheit durch den Holocaust der Nationalsozialisten unterging, dabei fast die gesamte osteuropäisch-jüdische Kultur auslöschte. 1941 verließ Chagall mit seiner Familie Frankreich, da ihm das Vichy Regime keine Sicherheit mehr gab. Mit einer Einlandung des Museum of Modern Art und traf er 1941 am 23.Juni 1941, einen Tag nach dem Überfall auf die Sowjetunion, in New York ein.
Nach den monographischen Ausstellungen zu Picasso, Rodin, Matisse ist es mit Marc Chagall „Lebenslinien“ die Fortsetzung der Werkschau französischer Künstler.
khw
Marc Chagall „Lebenslinien“ Bucerius Kunst Forum
Bis zum 16.Januar 2011 – täglich von 11-19 Uhr , Donnerstag bis 21 Uhr
Der umfangreiche Katalog kostet in der Ausstellung 24,80 EUR
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