|
21.01.2012
|
|
KRIMKRIEG oder DER LEZTE KREUZUG
|
Der Krimkrieg ist eines der letzten Schlüsselerlebnisse des 19.Jahrhunderts. Wenig bekannt sind die Dimensionen und Hintergründe die dazu führten. Als Kriegspartei waren dabei Frankreich, Großbritannien und das Osmanische Reich vereint gegen Russland. Es war ein erbitterter Kampf um Religion um Regionen. Der Krieg dauerte von 1853 bis 1856. Die Verluste waren gewaltig. Man schätzt daß über eine Dreiviertelmillion Soldaten in den Schlachten, durch Krankheiten oder Seuchen, getötet wurden. Davon waren allein zwei Drittel Russen. Die Franzosen setzten 310 000 Soldaten auf der Krim ein und verloren etwa 100 000 Mann. Die Engländer entsandten nur 98 000 Soldaten und Matrosen und verloren etwa 20 000 Mann. Die britische Armee rekrutierte einen Großteil ihrer Soldaten auf der irischen Insel, das damals noch englisches Staatsgebiet war. Fast ein Drittel der männlichen Bevölkerung von der irischen Grafschaft Cork starb im Krimkrieg für England.
Gezählt wurden die Toten der Zivilbevölkerung nie. Sie wurden Opfer der Bombardierung, verhungerten in den umkämpften Städten oder starben an Krankheiten, die die Soldateska mitbrachten. Es gab auch bereits sogenannte „ethnische Säuberungen“ im Kampfgebiet, das sich über den Balkan ins Kaukasus bis auf die Krim erstreckte. Dieser Krieg kann als der erste „totale Krieg“ bezeichnet werden.
|
Auch war dieser Krieg der erste modernste, wo mit den neuesten Waffen gekämpft wurde. Wichtig war für die Konfliktparteinen auch die Kommunikation. So wurde das erste Mal zur Berichterstattung der gerade erfundene Telegraf eingesetzt. Auch Fotoreporter waren am Schauplatz, die Bilder vom Krieg für die Zeitungen in Europa fotografierten.
Der Krimkrieg war der letzte bei dem die „Tugend der Ritterlichkeit“ – wieso das gerade bei einem Krieg – beachtet wurden. Parlamentäre vereinbarten zwischen den Kriegsparteien Waffenruhe, damit die Toten und Verletzten auf dem Schlachtfeld geborgen werden konnten. Der Krimkrieg führte zur Auflösung des Osmanischen Reiches. Treffend für den militärischen Konflikt ist die russische Bezeichnung für den Krimkrieg als „orientalischer Krieg.“
Der Rußlandhistoriker Orlando Figes hat dazu eine umfassende Beschreibung dieser fast vergessenen kriegerischen Auseinandersetzung mit einem Bezug zu heute verfaßt.
khw
Orlando Figes: KRIMKRIEG
Berlin Verlag 2011, 752 Seiten – 36,00 EUR |
|
 |
|
|
|
|