21.01.2012
DIETRICH & RIEFENSTAHL oder Der Traum von der neuen Frau

Im Klappentext heisst es: Was jungen Frauen heute als Ideal vorschwebt, wurde im Berlin der Zwischenkriegszeit von zwei Filmschauspielerinnen erfunden. Für die Autorin Karin Wieland heissen die modernen Frauen Marlene Dietrich und Leni Riefenstahl. Führwahr die Lebensgeschichte der beiden ist eng verbunden mit Kaiserreich, Weimarer Republik, 3. Reich und der Bundesrepublik Deutschland. Beide Frauen wollten zur Bühne.

Sie beiden haben ein unterschiedliches Naturell. Mit ihrer Darstellung als Lola im Film „Der blaue Engel“ – nach „Professor Unrat“ einem Roman von Heinrich Mann – ist Marlene Dietrich ein gefragter Star.

Anders Leni Riefenstahl, hier ist es der Film „Der heilige Berg“ der sie als Tänzerin wie Schauspielerin bekannt macht.

Für die Schauspielerinnen wird das Jahr 1933 zum Jahr der Entscheidung. Marlene Dietrich emigriert in die USA, geht nach Hollywood. Hier steigt sie zum internationalen Star auf. Leni Riefenstahl bleibt weiter beim Film in Deutschland.

Nun steht sie nicht mehr vor sondern hinter der Kamera. Mit den von ihr inszenierten Propagandafilmen über die Parteitage in Nürnberg und mit dem Olympia-Film 1936 wird sie zur Propagandistin von Hitler und seinen Paladinen.

Die Autorin Karin Wieland hat die Lebensgeschichten von der Dietrich und der Riefenstahl mit einander verwoben, auch wenn ihr Aufstieg unterschiedlich ist. Auch die spätere Lebenszeit der beiden Frauen. Bis ins hohe Alter sah Leni Riefenstahl ihr Mitmachen bei den Nazis nicht als Fehler.
khw

Karin Wieland: DIETRICH & RIEFENSTAHL
Carl Hanser Verlag München, 2011, 630 Seiten – 27,90 EUR