21.01.2012
Der Fall Uwe Barschel: EIN MORD, DER KEINER SEIN DURFTE

In der Nacht vom 10. zum 11.Oktober 1987 stirbt der Ministerpräsident a.D. von Schleswig-Holstein Dr. Uwe Barschel im Zimmer 317 im Genfer Hotel „Beau Rivage“ in der Badewanne. So wird der Mann von Hanns-Jörg Anders und Sebastian Knauer, Reportern der Illustrierten Stern, aus Hamburg zu einem Interview mit Barschel aus Hamburg angereist, etwas außerhalb des Legalen im Badezimmer entdeckt.

Selbstmord oder Mord ist immer noch nach Jahren die Frage. Heinrich Wille, 1945 im Ostholsteinischen Grömitz geboren, wird als Leiter der Lübecker Staatsanwaltschaft der Chefermittler im Fall Barschel. Der streitbare Jurist gerät im Fall wiederholt mit seinen Vorgesetzten in Konflikt.

In seinem Buch schildert der Jurist präzise und faktenreich die Ermittlungen im Barschel-Fall. Dazu gehören bei Heinrich Wille auch die nationalen wie internationalen Verbindungen des Toten. Thema sind auch die Behinderungen der Untersuchungen, das vorenthalten von Beweismittel seitens der Behörden und die Einmischung der Politik. Von daher zeigt der Fall Uwe Barschel auch die Grenzen des Rechtstaates.

Nun wird seit fünfundzwanzig Jahren hierzulande darüber gestritten ob, der Tod Uwe Barschels nun Mord oder ein Todesfall ist. Zu Beginn der Ermittlungen, so ist Heinrich Willes Buch zu entnehmen, muß ein Chaos bei Spurensuche wie Ermittlungen und Dokumentation geherrscht haben.
Trotz der Lücken in der Spurensicherung und einem offensichtlichen Desinteresse der ermittelnden schweizerischen Behörden fanden Oberstaatsanwalt Wille und sein Team heraus, daß es eher nach Mord als nach Selbstmord aussieht. Ein Hinweis dazu sind die Obduktionsergebnisse der Betäubungsmittel, die im Körper von Uwe Barschel gefunden wurden. Daraus kann geschlossen werden, daß der Mann bereits bewußtlos war, als das tödliche Gift in seinen Körper gelangte. Auch weitere Spuren im Hotelzimmer und Bad erklären keinen Suizid.

Diese Erkenntnisse wollte die Generalstaatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein nicht veröffentlicht sehen, untersagte Heinrich Wille das seit 2007 vorliegende Buch.

Auf Grund der umfangreichen Recherchen von Heinrich Wille kann sich heute der Leser ein eigenes Urteil zum Fall Uwe Barschel – ob Mord oder Selbstmord – bilden.
khw

Heinrich Wille: EIN MORD, DER KEINER SEIN DURFTE
Rotpunktverlag Zürich/Schweiz 2011 – 382 Seiten – 24,00 EUR