13.09.2011
Roman: Michael Degen - Familienbande

Michael Degen, am 31.Januar 1932 in Chemnitz/Sachsen geboren, ist ein deutsch-israelischer Theater- und Filmschauspieler und Schriftsteller. Verfolgt wegen seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten überlebte er gemeinsam mit seiner Mutter Anna unter einer falschen Identität im Versteck bei nichtjüdischen Freunden.

1946 begann er am Deutschen Theater im damaligen sowjetischen Sektor von Berlin eine Ausbildung zum Schauspieler.

1949, es war der Wunsch der Mutter, emigrierten beide in den jungen Staat Israel. Hier bekam der Staatenlose die Staatsbürgerschaft. Er diente auch in den Streikräften Israels aber ohne eine Waffe zu tragen und den Fahneneid zu leisten. Mit Hilfe seines Bruders lernte er Neuhebräisch und war an den Kammerspielen in Tel Aviv engagiert. 1951 verließ er Israel und kehrt in die Bundesrepublik zurück. Im Laufe seiner Theater- und Filmlaufbahn arbeitete er mit Regisseuren wie Brecht, Zadek, Bergman, Chabrol, Nolte und Tabori zusammen.

In dem Film »Die Kolonie« – Vorlage war die Colonia Dignidad mit ihrem Christentum eigener Prägung, stets in direkter Anbindung zum faschistischen Pinochet-Regime – spielte Degen 1985 unter der Regie des aus Chile geflohenen Orlando Lübbert eine Hauptrolle. Nach seinem Protest gegen ein Treffen der „Leibstandarte Adolf Hitler“ 1986 bekam er Morddrohungen. Auch seine Wohnung in Hamburg wurde verwüstet. Seither meidet er öffentlich politische Stellungsnahmen.

„Familienbande“ ist Michael Degens fünftes Buch, ein Roman über das Leben des jüngsten Kindes Michael von Katia und Thomas Mann. Detailgetreu, als wäre er stets anwesend, schildert er das Leben des exzentrischen wie des hochbegabten jüngsten Sohnes, von der Familie „Bibi“ genannt. In der Emigration in den USA, gemeinsam mit seiner Familie, heiratet er 1939 in New York Gret Moser, die aus der Schweiz stammt.

Anders als seine Geschwister Erika, Klaus und Golo hat Michael nichts mit Literatur im Sinn. Er lernt Bratsche und Violine. Ab 1942 arbeitet er zuerst als Violinist im Symphonieorchester von San Francisco und ab 1949 als Solobratschist.

1957 faßt er den Entschluß, den Musikerberuf aufzugeben. Er studiert an der Harvard Universität Germanistik und hatte von 1964 bis 1977 an der kalifornischen Universität Barkley eine Professur. Michael Mann konnte nie aus dem Schatten seines Vaters treten. Tragisch, man vermutet einen Suizid, endet in der Neujahrsnacht 1977 Michael Manns Leben. - Eine mehr als lesenwerte Familiengeschichte.
khw

Michael Degen Familienbande
Rowohlt Berlin 2011 – 480 Seiten – 22,95 EUR