13.09.2011
Zeitgeschichte: Juden in Krakau unter deutscher Besatzung 1939 – 1945

Bei meinen mehrmaligen Besuchen Krakaus, Anlaß waren die Internationalen Kurzfilmtage, habe ich auch das ehemalige Getto Kazimierz aufgesucht. Von diesem jüdischen Quartier sind nur noch Rudimente, eine Mauer der ul. Lwowska und die Getto Apotheke vorhanden. Die Autoren Andrea Löw und Markus Roth schildern zum ersten Mal ausführlich mit Geschichten die Geschichte über das Getto außerhalb von Krakau. In diesem größten Gettos Polens lebten einmal sechzigtausend Juden.

Mit dem Überfall Deutschlands auf Polen am 1.September 1939 beginnt die Leidensgeschichte der Juden im Land. Sechs Tage später ist Kraukau von Hitlers Militärs besetzt. Sofort beginnen die ersten Repressalien gegenüber der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Auf der Grundlage von Tagebüchern, Erinnerungsbüchern und zahlreicher Dokumente, darunter auch Fotos, zeichnen die Autoren ein historisches wissenschaftliches Bild über das Generalgouvernement mit der Hauptstadt Krakau nach.

In einem Beitrag in der „Krakauer Zeitung“ vom 6.August 1940 heißt es u.a.: „Nach dem die Verhältnisse im Generalgouvernement immer mehr ständig und endgültig Formen gewinnen, werden die schon längst beabsichtigten Pläne verwirklicht, die Hauptstadt des Generalgouvernements (gemeint ist Kraukau) auch äußerlich so auszugestalten, daß sie einen würdigen Rahmen für den Sitz der politischen Zentrale bildet. Im Zusammenhang mit dem Plan, das äußere Gesicht des Stadtbildes von Krakau zu verschönern, ist der Entschluß gefaßt worden, die Juden von Krakau in andere Gebiete des Generalgouvernement umzusiedeln.“

Auf dieser Grundlage entstand das Krakauer Getto. Es wurde im März 1943 wieder aufgelöst wurde. Wie zuvor wurden die Bewohner in die Vernichtungslager Belzec, Auschwitz, Groß-Rosen verbracht.

Einer der NS-Paladine im Generalgouvernement mit diktatorischer Befehlsgewalt war der Jurist Hans Frank, der Stellvertreter war der österreichische Jurist Arthur Seyß-Inquart. Am 29. Mai 1940 wurde Seyß-Inquart von Hitler zum Reichkommissar für die besetzten Niederlande ernannt. Beide, Frank wie Seyß-Inquart wurden im Nürnberger Prozeß vom Internationalen Militärgericht schuldig gesprochen und zum Tode verurteil, das am 16. Oktober 1946 vollstreckt wird.

Den roten Faden im Buch bilden die Lebengeschichten Einzelner. Auch die Lebenserinnerungen von Roman Polanski. Der Filmregisseur überlebte als Kind das Getto Krakau. Ein Buch in deren Mittelpunkt der Darstellung Menschen stehen, die als Individuen denken und handeln.
khw

Andrea Löw/Markus Roth
Juden in Krakau unter deutscher Besatzung 1939-1945
Wallstein verlag Göttingen 2011
248 Seiten –zahlreiche historische Fotos – 19,90 EUR