13.09.2011
Zeitgeschichte: ANNA REID - BLOKADA

Die Blockade Leningrads , die vor siebzig Jahren begann, hat in der Literatur ein erschütterndes Zeugnis gefunden. Keine andere europäische Stadt musste im Zweiten Weltkrieg so leiden wie das belagerte und eingeschlossene Leningrad. Aus Anlaß der Internationalen Filmfestspiele häufig in der Stadt an der Newa gab es noch Hinweise zur Blockade

Am 8.September 1941 schlossen Hitler Truppen gemeinsam mit den Soldaten des Bündnispartners Finnland den Belagerungsring um die größte Stadt der Sowjetunion. Damit waren sämtliche Versorgungswege der Drei-Millionen-Metropole abgeschnitten. So begann die 872 Tage Blockade, eines der größten Verbrechen in der modernen Geschichte. Die Zahl der Opfer wird auf 1,1 Millionen Menschen geschätzt. Sie verhungerten, erfroren oder wurden getötet durch Artilleriebeschuß und Bomben. Das Desaster war von den Hitler-Truppen gewollt und geplant, ging es doch den Nazis darum, die Sowjetunion zu vernichten. In Hitlers geheimer Weisung Nr. 1a 160/41 vom 22.September 1941 heißt es zur Zukunft der Stadt Petersburg unter 1: »Der Führer hat beschlossen, die Stadt Petersburg vom Erdboden zu vertilgen. Nach dem Sieg über Sowjetrussland wird es für das Weiterbestehen dieser großen Stadt nicht mehr den geringsten Anlaß geben. Finnland hat ebenfalls erklärt, es sei an einem Weiterbestehen dieser unmittelbar vor seinen neuen Grenzen gelegenen Stadt nicht interessiert.«

Über den bis heute bestehenden Mythos Leningrads liefert die Engländerin Anna Reid ihre differenzierte Sicht auf die Ereignisse. Es kommen Betroffene zu Wort, die einen erweiterten Blick auf die Leningrader Blockade geben. Die Autorin benutzt alle ihr zugänglichen Quellen: offizielle Dokumente, Tagebücher wie die Erinnerungen vonÜberlebenden. Sie schreibt auch über die Schwierigkeiten, eine Struktur in die Verteidigung wie die Versorgung der Stadt zu bekommen, was nicht immer an Stalins Befehlen lag.

Mit diesen Worten: „Ich widme meine Siebte Sinfonie unserem Kampf gegen den Faschismus, unseren unabwendbaren Sieg über den Feind, und Leningrad, meiner Heimatstadt“, veröffentlicht am 29.März 1942 in der Prawda, gab Dimitri Dimitrijewitsch Schostakowitsch seine Musik der immer noch bedrängten Stadt. Sie beim Lesen zu hören, trägt ein Mehr zum Verständnis der Leningrader in den Tagen der Blockade ihrer Stadt bei.
khw

Anna Reid BLOKADA
Die Belagerung von Leningrad 1941-1945
Berlin Verlag 2011 – 592 Seiten – 34,00 EUR