07.09.2011
Journalismus: John Steinbeck - Russische Reise mit Fotos von Robert Capa

1947 wurde vom us-amerikanischen Journalisten Walter Lippmann der Begriff „cold war“ in der Auseinander- setzung der politischen und wirtschaftlichen Systeme der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion geprägt. Das ist auch das Jahr in dem John Steinbeck – Text – und Fotos von Robert Capa - für die „New York Herald Tribune“ die Sowjet Union bereisen. Beide zeichnet aus, sie sind keine Antikommunisten. Bereits einmal, 1936, war Steinbeck kurz in Moskau.

1947, zwei Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs, reisen die beiden ins „rote Land“, das noch, vor allem in seinem europäischen Teil große Zerstörungen, besonders in Stalingrad, aufweist. Wie die Sowjetbürger so bekommen auch sie Essenmarken. Das zeigt, wie schwierig die Versorgungslage war. Steinbeck berichtet auch, was 1936 in Moskau eine verträumte Landschaft war, jetzt von der Stadt geprägt ist. Auch schreibt er darüber, dass überall auf Flächen der Hauptstadt Gemüse und Kartoffeln angebaut werden.

Sachlich sind die Reiseeindrücke, die der Pulitzerpreisträger Steinbeck in seinem Buch festhält. Stationen der Sowjetunion-Reise sind nach der Einreise über Leningrad, die Städte Moskau, Stalingrad, Kiew und Tiflis. Dann geht es wieder zurück nach Moskau. Über Kiew geht es heimwärts über Prag.

Das zerstörte Stalingrad hat beim Schriftsteller einen starken Eindruck hinterlassen. Capa und Steinbeck übernachten in einem Intourist-Hotel mit einem Ausblick auf die zerstörte Stadt an der Wolga. John Steinbeck: „Während der Zeit, die wir in Stalingrad waren, faszinierte uns diese riesige Ruine immer mehr, denn sie war nicht unbewohnt. Unter dem Schutt befanden sich Keller und Löcher, und in diesen Löchern lebten viele Menschen.

Stalingrad war eine große Stadt und hatte viele Wohnhäuser und Wohnungen gehabt, und nun gibt es nichts mehr außer den neuen Häusern am Stadtrand, und die Einwohner müssen ja irgendwo wohnen. Sie leben in den Kellern jener Gebäude, in denen sich einst ihre Wohnungen befunden hatten.“

Leider fehlen zu den Fotos von Robert Capa Bildlegenden. Ein weiterer Mangel, für die Fotos fand kein Kunstdruckpapier Verwendung. Die Russische Reise ist ein lesenwertes Buch, da es nicht aus den bekannten und allgemeinen Vorurteilen besteht.
khw

John Steinbeck RUSSISCHE REISE
Mit Fotografien von Robert Capa
Edition Büchergilde Frankfurt/Main 2011
304 Seiten, geb. 19,90 EUR