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03.09.2011
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Literatur: Kain
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Als José Saramago am 18.Juni 2010 in Tias auf der spanischen Insel Lanzarote starb, war sein jüngster Roman „Kain“ und Vermächtnis auf deutsch noch nicht veröffentlicht. Der Roman ist seine ganz persönliche Abrechnung mit dem Christentum und allem Drumherum, was dazu heute gehört. José Saramago schreibt die Bibel, auch das 1.Buch Moses mit der Geschichte von Kain und Abel einfach um. Er läßt den Brudermörder eine ganz eigene Reise durch das Alte Testament antreten. Das mit Phantasie und Humor, aber auch mit einem Schuß Boshaftigkeit, wie er die göttliche Allmacht ad absurdum führt. Damit bleibt er, das anders häufig bei seinen Kollegen zu sehen ist, ein bekennender Atheist.
José Saramago, 1998 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, ist sich immer bewusst gewesen, woher er kam. Geboren 1922 in dem Dorf Azinhaga im Ribatejo, wächst in einer landlosen Landarbeiterfamilie auf. Er ist vier Jahre alt, da wurde in Portugal die Verfassung vom Militär außer Kraft gesetzt und es begann eine langjährige Diktatur. Erst die Nelkenrevolution vom 25.April 1974 beendete diesen faschistischen Spuk mit seinen Kolonialkrieg in Afrika.
Zeit seines Lebens blieb Saramago in den 50er Jahren der Partido Comunista Português beigetreten, ihr als Mitglied treu. Ein Querdenker war der Romancier 1986, als er sich gegen einen Beitritt Portugals und Spaniens zur EU aussprach.
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„Das Evangelium nach Jesus Christus“ sein siebter Roman 1991 veröffentlicht, ist seine Auseinadersetzung mit Klerus und Amtskirche. Saramago lässt einen selbstkritischen Jesus am kirchlichen Glauben zweifeln. Vom Vatikan heftig kritisiert wegen seiner ketzerischen Interpretation des Heilsgeschehens und für blasphemisch erklärt. José Saramagos Antwort: „Der Vatikan soll sich um seine eigene Sachen kümmern und sich nicht fundamentalistisch gebärden.“
Das war 1992 der Anlaß für den konservativen Kulturstaatssekretär Pedro Santana Lopes, Saramago wegen der Verletzung der religiösen Gefühle der Portugiesen von der Liste der Kandidaten für den Europäischen Literaturpreis zu streichen. Darauf gingen der Literat und seine Frau ins Exil auf die kanarische Insel Lanzarote. Trotzdem kandidierte er noch 2004 für die Partido Comunista Português für die Europawahl auf einem aussichtslosen Listenplatz. 2008 ärgert José Saramago noch einmal seine Landsleute mit dem Vorschlag, Portugal solle territorialer Bestandteil des großen Nachbarn Spanien werden.
khw
José Saramago Kain
Hoffmann und Campe Verlag Hamburg 2011 – 176 Seiten |
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