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25.05.2010
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Sachbuch: Vatikan AG
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Ein Geheimarchiv enthüllt die Wahrheit über die Finanz- und Politikskandale der Kirche |
Es ist eine fast unglaubliche Geschichte, die der Journalist Gianluigi Nuzzi in seinem Buch „Vatikan AG“ erzählt. Der Autor hat für die italienischen Zeitschrift „Panorama“ und für die Tageszeitungen „Corriere della Sera“ und „Il Giornale“ gearbeitet. Seit 1994 verfolgt er die Polit- wie Finanzskandale im Lande. 2008 bekam Nuzzi Zugang zum Geheimarchiv von Monsignor Renato Dardozzis. Alle seine gesammelten Unterlagen hat er, um sie vor dem Zugriff der Kirche zu schützen in die Schweiz verbracht. Bis Ende der neunziger Jahre war Monsignor Dardozzi einer der wichtigsten Mitarbeiter des IOR (Institut für die Werke der Religion) wie die Vatikanbank offiziell heißt.
In seinem in der Schweiz lagernden Nachlaß befanden sich über viertausend geheime Dokumente des Heiligen Stuhls. Darunter Briefe, vertrauliche Mitteilungen, Aktennotizen, Sitzungsprotokolle, Kontoauszüge und Buchungsbelege. Diese Unterlagen gewähren einen Blick hinter die Kulissen des vatikanischen Finanzsystems und zeigen auf, wie das funktioniert. In seinem Testament verfügte Dardozzi, daß diese Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Ende der achtziger Jahre schien mit dem Crash der Banco Ambrosiano der rätselhaften Ermordung von Roberto Calvis 1982 in London und dem Rückzug von Erzbischof Marcinkus aus der Leitung des IOR, der Schlussstrich unter ein unrühmliches Kapitel der Vatikanbank gezogen. Aber die Dokumente aus Dardozzis Archiv beweisen es nicht dazu kam. Erneut begann alles wieder von vorn. Seit 1992 entstand ein neues, noch raffinierteres System mit Nummernkonten, über die Hunderte Milliarden Lire verschoben wurden. Architekt dieses Netzwerks war Prälat Donato de Bonis, der neue Chef der Vatikanbank. Er legte Konten auf die Namen von Bankiers, Unternehmern und Spitzenpolitikern an, unter ihnen „Omissis", der Codename für Giulio Andreotti.
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Auf diese Konten wurden Erlöse aus Staatspapieren eingezahlt, um schmutziges Geld zu waschen. Auch in den Mega-Korruptionsskandal Enimont war die Vatikanbank verwickelt. Gelder von Katholiken, die für heilige Messen bestimmt waren, wurden mit geschickten Manövern auf persönliche Konten transferiert.
Das IOR funktionierte wie eine Bank innerhalb der Bank, eine gigantische Geldwaschanlage mitten in Rom, die von der Mafia genutzt und skrupellos für politische Machenschaften eingesetzt wurde. Ein Steuerparadies, das allein der Gesetzgebung des Vatikans unterworfen war. Und das alles im Namen Gottes.
Ein Sachbuch, für das der Vatikan den Stoff lieferte.
khw
Gianluigi Nuzzi VATIKAN AG
Übersetzung von Friederike Hausmann,
Petra Kaiser und Rita Seuß
Ecowin Verlag Salzburg, 2010
360 Seiten – 22,50 EUR |
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