|
25.05.2010
|
|
Eichborn Frankfurt: Im Pantoffel durch den Terror
|
|
|
Das Revolutionstagebuch des Pariser Bürgers Célestin Guittard |
In seiner Reihe DIE ANDERE BIBLIOTHEK veröffentlicht Eichborn stets Novitäten. Das Revolutionstagebuch ist der 300. Band dieser gut lektorierten Reihe des Verlages. Das Buch ist ein einmaliges Zeugnis aus den Jahren der Pariser Revolution. Célestin Guittard war 66 Jahre alt, als er 1791 begann, über sein Leben in den Jahren der Pariser Revolution zu berichten. Es sind die Tage des Aufbruchs und des Terrors. Fünf Jahre später enden unvermittelt seine Berichte. Es ist anzunehmen, daß sein vermutlich nahes Lebensende der Grund dafür war. 150 Jahre später fand Raymond Aubert das historische und vergessene Dokument im Archiv der Familie seiner Frau. Unter dem Titel »Journal d'un Bourgeois de Paris sous la Revolution« gab Aubert 1974 die Berichte der Revolution von Guittard heraus.
Es ist der ungefilterte Blick auf die Ereignisse und Vorgänge der Französischen Revolution, die Célestin Guittard für den heutigen Leser greifbar macht. Er notierte, wie sich die Politik in den verschiedensten Lebensbereichen niederschlug. Auch wie die Revolution die Lebensverhältnisse veränderte und wie sie im Bürgertum ankam. Aber auch wie sie vom durchschnittlich gebildeten Zeitgenossen wahrgenommen wurde. So stehen Alltagsgeschichten neben Dekreten der Gesetzgebenden Nationalversammlung und des Nationalkonvents. Auch über die Jakobiner-Versammlungen schreibt Guittard ebenso wie über den ersten öffentlichen Gottesdienst der Protestanten. |
Thema ist auch die Einführung der Brotkarten und die Ausgabe von Personalaus- weisen, die Erfindung der Guillotine. Von den zahlreich Geköpften nennt er ihre Namen wie Herkunft. - Célestin Guittard bleibt Republikaner, auch wenn ihn die wirtschaftlich desolate Situation, auch der offensichtliche Machtmißbrauch über die Jahre verunsichert haben.
Wolfgang Müller Romanist und Kunsthistoriker, hat die Texte für die deutsche Ausgabe ausgewählt. Dabei auch Passagen ausgewählt, die die Lebensverhältnisse Guittards wie weiterer Personen zeigen. Übersetzt von Claudia Preuschoft, bringt sie den französischen Text in ein umgangssprachliches Deutsch ohne Modernismen. Der Historiker Volker Ullrich vermittelt mit seinem Essay zu den Notizen des »Bürgers« den nötigen Hintergrund zum täglichen Leben während der Französischen Revolution. So erschließt er für den Leser die historische und geschichtliche Bedeutung dieser historischen Chronik.
khw
In Pantoffeln durch die Revolution
Das Revolutionstagebuch des Pariser Bürgers Célestin Guittard
Herausgegeben von Raymond Aubert / Ausgewählt und eingeleitet von
Wolfgang Müller / Mit einem Essay von Volker Ullrich / Übersetzung Claudia Preuschoft
Eichborn Band 300 Die Andere Bibliothek
Mit Abbildungen / 424 Seiten – 32,00 EUR |
|
 |
|