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16.10.2009
Zeitgeschichte: Stuttgarter NS-Täter - Vom Mitläufer bis zum Massenmörder

In seinem Vorwort schreibt der Herausgeber Hermann G. Abmayr, daß der vorgelegte Band das Ergebnis monatelanger Recherchen von 30 Autorinnen und Autoren ist. Für Stuttgart, Baden-Württemberg wie die Bundesrepublik sind die Tatsachen, über die berichtet wird, zum größten Teil bisher unbekannt.

In dem vorgelegten Band werden 45 NS-Täter ausführlich vorgestellt. Unter diesen Tätern befinden sich auch Personen der Stuttgarter Stadtverwaltung wie Richter, die an Sondergerichten nicht nur an „Rasseschande-Urteilen“ mitwirkten. Die NS-Täter, eine Ausnahme ist Ferdinand Porsche, sind nicht bekannt und ihre Namen wurden bisher in der Öffentlichkeit nicht genannt. Dabei sind Mitglieder der NSDAP wie auch Nichtmitglieder, ebenso Juristen, Ärzte, Unternehmer, Gemeinderäte, Gestapoleute, KZ-Aufseher und auch Denunzianten. Ihr Mitmachen und tun hat den zwölfjährigen NS-Terror erst möglich gemacht. Als Verkünder rassistischer Theorien, als gläubige Mitglieder der NSDAP haben sie für sich in ihrer Karriere Vorteile gesehen und auch bekommen.

Mit ihrer Arbeit wollen die Autoren nicht die These stützen, daß die Täter als Sadisten, Befehlsempfänger oder Schreibtischtäter auf die Welt kamen. Dien neue Forschungsergebnisse zeigen, daß es keinen homogenen Tätertyp gibt. Große Hoffnung des Herausgebers wie der Autoren ist es, daß dieser Band einen Beitrag der noch immer dringend benötigten NS-Täter-Forschung leistet. Täter gibt es heute noch immer – hier im Lande wie auch anderswo.

Der Band zur detailreichen Aufarbeitung der Zeitgeschichte geht auf die Initiative der Stuttgarter Stolperstein Gruppe zurück, die sich dem Thema annahm. Bisher wurden über 500 Steine in Stuttgart zusammen mit dem Kölner Künstler Günter Demnig verlegt. So werden die NS-Spuren für alle Bürger sichtbar festgehalten.

Anders als VW und Mercedes, die sich für Offenheit ihrer NS-Firmengeschichte entschieden und Historiker beauftragten, diese zu erforschen und zu veröffentlichen, geschah bei Porsche bisher nichts. Statt dessen hat der Luxusautobauer Porsche zum Ruhm seiner Geschichte Millionen für ein Museum in Zuffenhausen ausgegeben. Wohl gab es über Ferdinand Porsche und seinem Sohn Ferry Veröffentlichungen, nur das waren stets Lobeshymnen auf dem genialen Konstrukteur und das Volkswagen- Projekt, das als „Kraft durch Freude VW“ mit zur unrühmlichen NS-Geschichte gehört.

Über das Wirken des Porsche-Piëch-Clans während der Nazizeit in Stuttgart wurde bisher wenig bekannt. Ulrich Viehöver, er zeichnet für den Porsche Beitrag verantwortlich, konzentrierte sich auf dieses Thema. So können erstmalig die Wege von Porsche Reichsmark-Millionen nachgezeichnet werden, die sich während der Nazizeit angehäuft hatten. Der Autor enthüllt, daß der Clan noch kurz vor Kriegsende viel Geld abzweigte und nach Österreich transferierte. Die Firma in Zuffenhausen konnte danach weder ihre Lieferanten noch die Löhne zahlen. So ist endlich Schluß mit der Legende, Porsche sei während der NS-Jahre in Zuffenhausen nur ein Konstruktionsbüro mit angeschlossener Werkstatt gewesen. Es war anders, Porsche ist während der Nazizeit sprunghaft gewachsen und beschäftigte 1944 über 600 Männer und Frauen. Im Laufe der letzten NS-Jahre kamen auch mehrere Hundert Zwangsarbeiter hinzu.

Wie bei Porsche, so steht eine eigene Aufarbeitung der NS-Geschichte der Stuttgarter Kaufhäuser Breuninger und Breitling noch aus. Vielleicht kommt ihre Firmengeschichte noch.
khw

Stuttgarter NS-Täter
Herausgeber Hermann G. Abmayr
mit Beiträgen von 30 Autoren
Schmetterling Verlag Stuttgart 2009 – 393 S. 19.80 EUR
Bestellung auch über info@stuttgarter-ns-taeter.de