Fenster schließen
www.hamburger-medienschaufenster.de

16.10.2009
Karl-Siegbert Rehberg u. Hans-Werner Schmidt Kunst in Leipzig 60 40 20

Es sind keine Geheimzahlen, sie stehen für 60 Jahre Leipziger Kunst, davon waren vierzig Jahre Kunst aus der DDR, auch Leipziger Kunst genannt. Ob in 20 Jahren eine gemeinsame Kunst wurde, muß abgewartet werden. Heute ist noch immer nicht die Ostkunst, häufig verspottet als staatliche verordnete Agitations- und Propagandakunst, im Westen des Landes angekommen. Das Beispiel des “Ludwig Institut für Kunst in der DDR“ in Oberhausen zeigt, wie im Jahre 20 der Einheit mit DDR-Kunst, auch die aus Leipzig, umgeht. Auch wenn die Maler Sitte, Heisig, Tübke und Mattheuer heißen.

Da es keinen Staatlichen Kunsthandel der DDR mehr gibt, wo einmal der Aachener Sammler Peter Ludwig die Arbeiten für einkaufte, wurden diese kostenfrei im Jahre 20 der Einheit an das Museum in Leipzig gesandt. Erst hieß es aus einem Platzmangel im Ludwig-Depot als Geschenk, daraus wurde eine Dauerleihgabe von 160 Bildern.

Die Partner der Ausstellung sind das Museum der bildende Künste, die Kunsthalle der Sparkasse Leipzig und das Institut für Soziologie der TU Dresden. Die Exposition ist zweigeteilt und präsentiert sich im Museum und in der Kunsthalle der Sparkasse.

Die Ausstellung sieht sich als Retrospektive der bildenden Kunst am Standort Leipzig vom Neubeginn nach der Niederlage des Nationalsozialismus 1945. Einfluß auf die Entwicklung kamen über die Ergebnisse der Konferenzen der Anti-Hitler- Koalition von Jalta und Potsdam, die zur Teilung Deutschland führten. Das führte zu einer trennenden Entwicklung in allen Bereichen der Kultur, von der Malerei bis zum Theater und Film. Vor diesen gesellschaftlichen Veränderungen muß die Leipziger Schule gesehen werden. Erinnert sein an den Hofer-Streit. Karl Hofers Position in der Malerei war geprägt vom Gegenständlichen. Die andere Position vertrat der Bundesverband der Industrie, der das Ungegenständliche in der Malerei förderte. Das steht nicht im Katalog.

Er ist eine opulente Ausgabe im Umfang wie Schwere, mit viel Eigenlob der Autoren, die sich selber auf die Schulter klopfen. Auch einer der Kunstdirektoren, der in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts mit Hilfe der DKP Sitte und Mattheuer in die Räume des Hamburger Kunstvereins holte. Jahre später,
das Land hatte sich in von Rot/Gelb in Schwarz/Gelb Land gewandelt, war es in seiner zweiten Funktion im Museumsbetrieb der Stadt mit der Position vorbei.

War nun alles in den 40 Jahren Staatskunst? Ich finde nein. Zu entdecken gibt es in der Ausstellung mehr bekannte als die weniger bekannten Maler. Ein Schere gepaart mit ausgrenzenden Kuratoren? Mit einer wahrlich breiten Auswahl ihrer Arbeiten sind dabei Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke. Sie waren es bekanntlich, die auf der 6.dokumenta ihre Arbeiten zeigten. Ob nach Kassel für die DDR Kunst im Westen der Markt kam, muß noch hinterfragt werden. Andere Namen, die auch mit Leipzig und der Schule verbunden waren, fehlen oder sind nur mit einer Arbeit und ohne ihre Grafik vertreten. Nur eine Zeile würdigt der Katalog Gisela und Hans-Peter Schulz, die mit ihrer „Galerie am Sachsenplatz“ die Leipziger Schule in den 70er und 80er Jahren förderten.
Auch wenn die Mehrzahl der Beiträge eine westdeutsche Sicht auf die Leipziger Schule vermittelt, wird der Katalog mit der Zeit ein Standardwerk zu und über Kunst aus Leipzig sein.
khw


Herausgeber: Karl-Siegbert Rehberg u. Hans-Werner Schmidt Kunst in Leipzig 60 40 20
Verlag E.A. Seemann, Leipzig 2009 – 384 S. – 34,-- EUR