15.10.2009
Sachbuch: Aus Weimar in alle Welt - Die Bauhausmeister und ihre Wirkung

1919 begann mit dem Staatlichen Bauhaus in Weimar eine bedeutende Entwicklung der Kunst, des Kunstgewerbes wie der Architektur. Begründet von Walter Gropius war es bis zum Verbot durch die Nationalsozialisten 1933 an wechselnden Standorten, Weimar und Dessau, das Symbol für Modernität in der Kunst.

Das Sachbuch von Annette Seemann ist ein Kompendium über das Bauhaus und ihren Lehrern. Dazu gehören Adolf Meyer, Lyonel Feininger, Gerhard Marcks, Johannes Itten, Georg Muche, Oskar Schlemmer, Gertrud Grunow, Lothar Schreyer, Paul Klee, Wassiy Kandinsky und László Moholy-Nagy. Erinnert wird auch ihre Schüler, die Lehrer wurden: Josef Albers, Marianne Brandt, Gunta Stölzl und Marcel Breuer.

Der Einfluß des Bauhauses war so bedeutend, daß umgangssprachlich der Begriff Bauhaus oft auch mit der Moderne in Architektur und Design gleichgesetzt wird. Aber Kunstgeschichtlich ist das jedoch problematisch, den Bauhausstil und die Entwicklungen in Deutschland isoliert zu betrachten und Bauhaus nur als einen Stilbegriff für Architektur oder Möbelstil zu verwenden. Die Entwürfe und Arbeiten von Lehrern und Schülern am Bauhaus standen daher als ein Teil von länderübergreifenden, längerfristigen Strömungen gesehen und unter Begriffen wie Funktionalismus, Klassische Moderne, Neue Sachlichkeit.

Das Bauhaus steht auch dafür, daß die traditionell getrennten Bereiche der Bildenden Kunst, die Angewandte Kunst und die Darstellende Kunst auf der Grundlage des Bauhauskonzeptes miteinander verbunden wurden. Das hatte eine starke Ausstrahlung auf Malerei, Darstellende Kunst und Musik.

In der Zeit der Weimarer Republik galten Lehrer, Schüler und Bewunderer des Bauhauses als „links“ und „internationalistisch“. Politisch rechte Parteien lehnten das Bauhaus von Anfang an ab. Nachdem sich die Machtverhältnisse nach der Landtagswahl in Thüringen im Februar 1924 geändert hatten, kürzte die Regierung unter Richard Leutheusser den Etat um fünfzig Prozent. Daraufhin boten sich andere Städte den Lehrern und Schülern als neue Standorte an. Finanziell und politisch von der Thüringer Regierung unter Druck gesetzt, beschloß der Meisterrat 1925 den Umzug nach Dessau. Dort bot der Flugzeugbauer Hugo Junkers eine Förderung, zudem herrschte in dieser Industriestadt eine stabile sozialdemokratisch und liberal orientierte Mehrheit. Das Weimarer Bauhaus wurde schließlich 1925 aufgelöst.

Am 4. Dezember 1926 wurde das neue, von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude eingeweiht. Der vollständig verglaste Werkstattflügel zur Straßenseite beeindruckte besonders, ebenso die gleichzeitig errichteten und ebenfalls von Gropius entworfenen „Meisterhäuser", die als Wohnhäuser fungierten und wie das Bauhausgebäude konsequent und mustergültig die entwickelten Vorstellungen von Wohnen und Arbeiten vereinten.

Am 1. April 1928 trat Gropius als Direktor zurück. Auf seinen Vorschlag wurde der Schweizer Architekt Hannes Meyer neuer Direktor, der für das Bauhaus nicht nur die Devise „Volksbedarf statt Luxusbedarf“ ausgab, sondern auch die Zusammenarbeit mit der Industrie intensivierte und eine Konzentration auf das Fach Architektur bewirkte. Meyer blieb bis zu seiner fristlosen Entlassung durch den Oberbürgermeister von Dessau am 1. August 1930 Direktor.

Von 1930 bis 1933 leitete der Architekt Ludwig Mies van der Rohe das Bauhaus. Am 19. Juli 1933 löste sich das Bauhaus auf, dazu wurden sie von den Nationalsozialisten gezwungen. Zahlreiche Mitglieder mußten emigrieren, trugen so zur internationalen Verbreitung der Ideen des Bauhauses bei. 1945 wurde das Gebäude des Bauhauses in Dessau teilweise zerstört. Es wurde erst 1976 wurde es wieder von DDR rekonstruiert.

In der Bundesrepublik entstand 1953 in Ulm die Hochschule für Gestaltung (HfG Ulm), die zunächst von dem Bauhausabsolventen Max Bill geleitet und nach dem Vorbild des Bauhauses konzipiert ward. Sie wurde in einen ähnlichen sachlichen Stil geführt. Einen Starken Einflüsse gab von der Schweizer Typographie in Grafik.
khw

Annette Seemann: Die Baumeister und ihre Wirkung
E.A Seemann Verlag Leipzig, 2009
160 Seiten - 58 farbige und s/w-Abbildungen - Hardcover – 24,90 EUR