29.09.2009
Internationale Literatur: Kleine Erinnerungen – oder auf portugiesisch As Pequesnas Memórias

José de Sousa Saramago wurde am 16.November 1922 im Dorf Azinhaga, Kreis Golegã., heute in der Provinz Ribatejo in eine Landarbeiterfamilie hineingeboren. Seine Eltern arbeiten auf den Latifundien von Großgrundbesitzern. Auch nach dem späteren Umzug nach Lissabon war es ihm aus finanziellen Gründen nicht möglich, eine höhere Schule zu besuchen.

Trotz aller Schwierigkeiten schaffte er es zum Romancier, zum Lyriker, zum Essayisten, Erzähler, Dramatiker und Tagebuchautor. Bis heute ist Saramago, ihm wurde 1998 der Nobelpreis verliehen, bekennender Atheist und Kommunist. In den furchtbaren Jahren der klerikalfaschistischen Salazar Diktatur trat er 1969 der PCP bei.

Den Durchbruch als Schriftsteller schaffte Saramago 1980 mit dem Roman „Hoffnung im Alentejo“ – portugiesisch „Levantado do chão“. Sein späterer Roman
„Das Evangelium nach Jesu Christus“ wurde von der katholischen Kirche als blasphemisch verurteilt. Das war der Anlaß, daß die portugiesische Regierung ihre Haltung zur Kirche zeigte, seine Nominierung für den Europäischen Kulturpreis einfach zurückzog.

Nun liegt eine seiner letzten Arbeiten, portugiesisch „As Pequesnas Memórias“ als „Kleine Erinnerung“ auf deutsch vor. Es ist ein Band mit Reminiszenzen an die eigenen früheren Jahre der Kindheit. Der Humanist schreibt: „Das Kind, was ich war, sah die Landschaft nicht so, wie der spätere Erwachsene sie sich von seiner Manneshöhe herab vielleicht vorstellt.“ An einer anderen Stelle schreibt er über kleine Unfälle, die jedes Kind mehr oder weniger hatte. Auch über die Jagd auf Frösche oder wie er mit einer Schleuder versucht, Vögel zu treffen. Und über die Begegnung
mit einem Wörterbuch „Portugiesisch/Französisch“. Draus wurde eine lebenslang andauernde Liebe.

Karl-H. Walloch

José Saramago Kleine Erinnerungen
Rowohlt Verlag Reinbek bei Hamburg 2009
160 Seiten – gebunden 16,90 EUR