02.02.2012
Hamburger Korrespondenz

Neues aus der Elbmetropole Hamburg

Heute einmal nichts über das Bauabenteuer der Hansestadt mit ihrer Elbphilharmonie. Dazu im März mehr.

Auch Hamburg verzeichnet einen Anstieg der Arbeitslosen. Die Springer-Gazette Hamburger Abendblatt ist der Meinung, dass der Arbeitsmarkt robust ist. Die Sietas-Werft, die im November 2011 Insolvenz anmeldete, wird nur durch einen Massenkredit über Wasser gehalten. Derzeit versucht Deutschlands ältester Schiffbaubetrieb durch einen drastischen Personalabbau sein Überleben zu sichern. Bis Mai 2012 sollen rund 350 Stellen gestrichen werden. Mit 375 Arbeitern in der Werft und 127 in der Tochtergesellschaft Neuenfelder Maschinenfabrik sollen die zwei bestellten Schiffe fertig gebaut werden. Nur sicher ist das auch nicht.

Aus den Schlagzeilen kommt die HSH Nordbank nicht. Nach dem Vorstandsvorsitzenden Paul Lerbinger hat nun auch der Aufsichtsrat der Bank klargestellt, dass den früheren Managern der Bank ein juristisches Nachspiel drohen könnte. Ausgangspunkt hierfür ist die umstrittene Finanztransaktion OMEGA 55 aus dem Jahr 2007. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat gegen sechs ehemalige Vorstandsmitglieder ermittelt. Die Anklageschrift umfasst 600 Seiten in der der Vorwurf der schweren Untreue festgehalten und auch begründet wird. Das Aktenkonvolut liegt dem Aufsichtsrat noch nicht vor. Das zuständige Gericht der Hansestadt hat einen Antrag auf Akteneinsicht unter Verweis auf Beschwerden einzelner Angeschuldigter zurückgewiesen.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die früheren Vorstandsvorsitzender Dirk Jens Nonnenmacher und Hans Berger sowie die ehemaligen Vorstände Jochen Friedrich, Peter Rieck, Hartmut Strauß und Bernhard Visker. Ob und wie lange Ex-Deutsche Bank Mann Hilmar Kopper Aufsichtsratsvorsitzender bleibt, hängt wohl vom Ausgang des Prozesses ab.

Mit dem neuen sozialdemokratischen Schulsenator Ties Rabe sollte eigentlich Ruhe einkehren. Die Schulstrukturfragen waren durch den Volksentscheid über die Primarschule vorerst geklärt. Dem ist nicht so. Ausgerechnet gegen das CDU/ Grüne-Vorzeigeprojekt, die ganztägige Betreuung an den Schulen und die damit verbundene Hortreform hat sich nun neuer Widerstand formiert. Wie beim Volksentscheid sind es der progressive Landeselternausschuss und die reaktionäre Vereinigung „Wir wollen lernen“. Es geht darum, dass der SPD-Senat bis zum Sommer 2013 die Horte von den Kitas an die etwa 200 Grundschulen verlagern möchte. Hier soll, so der Plan, ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen (GBS) mit freien Trägern angeboten werden. Das passt den Mitgliedern von „Wir wollen lernen“ nicht.

In Hamburg ist vorgesehen, dass jedes Kind, ohne Nachweis, die kostenfreie Betreuung in Anspruch nehmen kann. Zugesagt sind vom Senator Gelder für Mobiliar und Kantinen. Damit sei der Weg für 10.000 zusätzliche Ganztagsplätze frei, so Ties Rabe.

Protest hat das religions- und konsumkritische Gastspiel „Gólgata Picnic“ des spanisch-argentinischen Regisseurs Rodrigo García ,das das Thalia- Theater im Januar präsentierte. Die Inszenierung hat bereits in Frankreich und Österreich Diskussionen ausgelöst. In dem Stück wird die Frage, in wieweit die Religion Erlösung verheißen kann und ob sie nicht Teil des sogenannten Bösen ist, thematisiert. Den Protest führt der sattsam bekannte Priesterverein „Piusbruderschaft“ an. Der Intendant der Hamburger Bühne Joachim Lux wurde von den Pius-Priestern mit radikalkonservativer und fundamentalistischer Kritik überschwemmt. Nur Hamburg ist nicht Rom – „Gólgata Picnic“ ging über die Bühne.

Das Museum für Hamburgische Geschichte zeigt ab dem 24. Februar 2012 die Ausstellung „Die große Flut“. Vor 50 Jahren, in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 brach über Hamburg die schwerste Sturmflut seit über 100 Jahren herein. Orkanböen mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde mit meterhohen Fluten ließen Deiche brechen. Die Flut überraschte die Menschen im Schlaf. Die Wassermassen drangen bis in die Hamburger City. Selbst das Rathaus stand unter Wasser. Der Stadtteil Wilhelmsburg versank im Wasser. 315 Menschen wurden Opfer dieser Flut. Die Ausstellung wird bis zum 2.September 2012 im Museum am Holstenwall gezeigt.
khw