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Hamburger Korrespondenz
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| Nicht alles in Hamburg läuft derzeit rund! |
Im November ist auch die letzte Hamburger Schiffswerft, Sietas in Neuenfelde, in die Insolvenz gegangen. Vom Konkurs sind über 600 Arbeitsplätze direkt betroffen. Mit den Zulieferer sind es wesentlich mehr, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Hintergrund der Sietas-Krise ist der Containerschiffbau. In China und Südkorea werden diese Schiffe preiswerter gebaut als in Europa. Dabei hatte die Werft jüngst mit Vorsorgungsschiffen für Windparks in der Nordsee ein neues Standbein gefunden. Das war wohl zu spät, um noch bei Banken die notwendigen Kredite zu erhalten. Auch die HSH Nordbank, wegen eigener Schwierigkeiten macht sie derzeit keine Gewinne, schied als Finanzier aus.
Noch immer heißt es vom Eigentümer Thyssen-Krupp bei ihrer Hamburger Großwerft Blohm+Voss „...steht vor dem Verkauf.“ Seit einigen Tagen liegt die „Queen Mary 2“ im Dock der Werft. Das Flaggschiff der britischen Cunard-Reederei wird hier gewartet und überholt. Nach knapp einer Arbeitswoche läuft die „Queen Mary 2“ zu neuen Reisen wieder aus.
Dabei sollte Blohm+Voss bereits seit langer Zeit einen neuen Eigentümer mit Abu Dhabi Mar haben. Der Verkauf scheiterte auf den letzten Metern kurz vorm Ziel. Seit Monaten verhandelt Thyssen-Krupp mit dem Londoner Finanzinvestor Star Capital. Trotz großer Verluste beim Bau von Megayachten schielt Blohm+Voss in die Schweiz. Ein hier lebender vermögender Russe möchte eine Luxusyacht kaufen, deren Preis im dreistelligen Millionenbereich liegen soll. Kommt dieser Auftrag wird der Wert von Blohm+Voss steigen. Die Werftarbeiter gaben in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts der Werft wegen zahlreicher tödlicher Unfälle den Namen „Knochenmühle“.
Jüngst machte die Elbphilharmonie mit Baustop von sich reden. Angeblich würde die Statik der Decke des Konzertsaales nicht stimmen. Damit hat es den Anschein, dass alles wieder auf Anfang steht. Dazu trägt auch der parlamentarische Untersuchungsausschuss bei. Der hat einen hohen Unterhaltungswert. Hier keilt die Hansestadt als Auftraggeber gegen den Auftragnehmer Hochtief. Der schlägt zurück gegen die Stadt und den das Schweizer Architektenteam und die Architekten gegen Hochtief und Stadt. Die Ursache für das derzeitige Dilemma liegt an der komplizierten Dreieckbeziehung Hamburg, Architekten und Hochtief. Dazu beigetragen hat auch der mehr als überstürzte Baubeginn. Der CDU-Bürgermeister Ole von Beust wollte mit der Elbphilharmonie für seinen und den christdemokratischen Ruhm sorgen. Wann die ersten Takte einer Symphonie im „Jahrhundertprojekt“ zu hören sind, ob 2014 oder 2015, ist bis jetzt nicht bekannt.
Ein Happy End gab es für die letzten Reste des Hamburger Gängeviertels. Vor zwei Jahren gründeten junge Künstler in der Stadt die Initiative „Komm in die Gänge“. Am 22.August 2009 wurden die leerstehenden Gebäude besetzt. Der Hintergrund ihres Protestes: die Hansestadt verkaufte für 2,8 Millionen Euro das Gängeviertel an einen niederländischen Investor, der auf dem citynahen Areal Luxuswohnungen bauen wollte. Der friedliche Prostet der jungen Kreativen war erfolgreich. Hamburg kaufte die Gebäude vom Investor zurück und stellt für die geplante Sanierung 20 Millionen Euro bereit. Hier sollen in den nächsten acht Jahren neben Ateliers und öffentlichen Räumen auch etwa 80 bezahlbare Wohnungen entstehen. Der Wunsch der Initiative ist es, dass das Viertel auch seiner Sanierung auch künftig so unkommerziell wie möglich bleibt. Somit hat sich der Kampf der Künstler gelohnt, auch dass heute die Gebäude im Gängeviertel unter Denkmalschutz stehen.
In den nächsten Jahren bekommt die Stadt ein neues Museum. Das planen seit Jahren eine private Initiative gemeinsam mit der Reemtsma-Stiftung. Unweit des Ernst Barlach Hauses wird es 2013 das Eduard Bargheehr Museum geben. Die Umbaukosten eines stadteigenen Gebäudes wie Unterhalt wird von einer Stiftung und Spenden getragen. Für noch mehr an Museum hat an Millionären reiche Hansestadt Hamburg keine Mittel.
khw |