 |
|
|
|
|
Hamburger Korrespondenz
|
|
|
| Hamburg im Herbst oder wenn die Blätter fallen |
Am 30.September wurde die Ausstellung „Max Liebermann – Wegbereiter der Moderne“ in der Hamburger Kunsthalle eröffnet. Max Liebermann, vom Akademismus im Kaiser Reich enttäuscht, wandte sich nach Frankreich und Holland. Hier tauchte der junge Berliner Künstler in die progressiven Strömungen der Zeit ein, die seine Arbeiten beflügelten. In Barbizon studierte er die Freilichtmalerei, in Paris hat er Kontakt zum französischen Impressionismus und in den Niederlanden traf er auf die Maler der Haager Landschaftsschule. Es ist eine umfassende Max Liebermann Retrospektive, die aus Bonn kommend nun bis zum 19.Februar 2012 in der Kunsthalle präsentiert wird. Über einhundert Gemälde zeigen alle Perioden seines Schaffens, der nach der Übernahme der Macht der Nationalsozialisten im Januar 1933 im Mai alle seine Ämter niederlegte. Am 8.Februar 1935 stirbt er, wird ohne Ehren auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee beerdigt. Seine Frau Martha Liebermann nimmt sich am 10.März 1943 das Leben, um so der drohenden Deportation zu entgehen.
Einen wichtigen kulturpolitischen Aspekt, der Umgang der Nationalsozialisten mit der Kunst Max Liebermanns, vermittelt dem Besucher eine dokumentarische Ausstellung. Auch die Stimme Max Liebermanns ist in der Ausstellung gegenwärtig. Die Kustoren haben dafür den Vortrag „Aus meinem Leben“ des fast fünfundachtzig jährigen Malers der 1932 in der Rundfunkstunde für Kinder gesendet wurde, ausgewählt.
 |
|
In der Hansestadt Hamburg ist auch die Occupy-Bewegung angekommen.
Vor und damit im Blickfeld der bundesweit bekannten NSH-Nordbank haben die Demonstranten ihre Zelte für das Nacht- lager aufgeschlagen. |
|
 |
|
|
|
|
| Mit Transparenten wie „99 Prozent sind stärker“ macht sie sich nicht nur selber Mut. Bis zum Aufbau des Weihnachtsmarktes dürfen sie den Ida Ehre Platz für ihr Occupy-Zeltlager nutzen. Ob damit das noch kleine Häuflein etwas bewirken kann? |
Machtvoll war am letzten Oktober-Wochenende eine Demo gegen die hohen Mieten in der Stadt. Innerhalb von 6 Jahren stiegen die Quadratmeterpreise von 7,30 Euro auf bis zu 11,60 Euro in diesem Jahr an. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Hamburg ist derzeit die am schnellsten wachsende Stadt der Bundesrepublik. Nur der Wohnungsmarkt, hier vor allem bezahlbarer Wohnraum, wächst nicht mit. Die das Angebot übersteigende Nachfrage treibt die Quadratmeter Preise in die Höhe. Auch das alte Spiegel-Haus sollte in Wohnraum umgebaut werden. Dazu wird es nicht kommen. Dabei gibt es heute bereits in der Stadt einen übergroßen Leerstand von Büroraum. Täglich kommt neuer hinzu. Anders als Die Linke, lehnen vereint CDU und Grüne der Stadt ein Gesetz gegen Mietwucher ab. Auch die Sozialdemokraten haben sich noch nicht erklärt. Von der FDP als marktliberale Partei ist nichts zu erwarten.
Mehr als ein soziales und humanes Problem sind die Roma-Abschiebungen aus Hamburg. Am letzten Tag im Oktober hat diese in bekannter Weise seit CDU-Tagen im frühen Morgengrauen wieder begonnen. Um 4.20 Uhr stürmten Beamte von Polizei, Zoll und Ausländerbehörde in Begleitung eines Arztes die Wohnung des Ehepaares Sakipovic in der Unterkunft am Billstieg. Jowanka und Stanisa Sakipovic sind Roma, denen wie zahlreiche weiter in Hamburger lebende Roma seit Anfang 2011 die Abschiebung angedroht wurde. Jowanka Sakipovic ist schwer krank, hat ohne ärztliche Behandlung wenig Überlebenschancen. Darum schert sich die Ausländerbehörde nur insoweit, dass sie zur Abschiebung einen Arzt mitschickt.
Der SPD-Senat unter Leitung vom 1.Bürgermeister Olaf Scholz ist offenbar wild entschlossen, trotz der großer Proteste, die Abschiebung der Roma in die Tat umzusetzen. Dabei zählt auch der anstehende Winter nicht, der in den eiskalten nassen und zugigen Hütten der Roma-Lager Serbiens nur schwer zu überstehen ist. Auch zählt nicht die Tatsache, dass Roma-Familien in den Nachfolge-Staaten Ex-Jugoslawiens Diskriminierung, Ausgrenzung, mangelnde Gesundheitsversorgung und auch polizeiliche Gewalt drohen. Hermann Hardt vom Flüchtlingsrat Hamburg und der Roma-Unterstützerkreis: "Es darf nicht sein, dass 66 Jahre nach dem Genozid des deutschen NS-Faschismus an einer halben Million Roma und Sinti wieder Roma von hier in Tod und Elend abgeschoben werden! Der SPD-Senat hat offenbar jedes Gespür für Humanität und Mitmenschlichkeit und für die besondere geschichtliche Verantwortung Deutschlands verloren.“ Als ersten Schritt wird die Aussetzung der Abschiebungen in den Wintermonaten gefordert und ein Bleiberecht für die von Abschiebung bedrohten Roma angemahnt.
khw |