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Hamburger Korrespondenz
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| Die Freie und Hansestadt Hamburg im Herbst |
Das Gute zuerst: Eine Studie brachte es zu Tage – Hamburg ist die Hauptstadt des Glücks. Hier leben die zufriedensten Deutschen. Die Gründe dafür sind Job, Familien und Gesundheit. Die Glück-Studie wurde von der Deutschen Post vorgestellt. Befragt nach einem sozial-ökonomischen Panel werden seit 1984 jährlich 12.000 Haushalte. Nach dem Ergebnis sind die Deutschen so glücklich wie in den vergangenen zehn Jahren nicht mehr. Im „Glück-Ranking“ schaffte es Hamburg auf den ersten Platz, gefolgt von Niedersachen und Bayern. Grund des Hamburger Spitzenplatzes ist das mit Abstand höchste Pro-Kopf-Einkommen und eine überdurchschnittlich hohe Gesundheit der Bürger der Stadt. Das Schlusslicht bildet Thüringen. Aber stimmt das so für Hamburg?
Derzeit gibt es ein Hauen und Stechen um die Traditionswerft der Stadt Blohm + Voss. Es liegt ein Übernahmeangebot der Bremer Werftgruppe Lürssen für die Werft vor, das aber von den Arbeitern abgelehnt wird. In einem Flugblatt schreibt der Betriebsrat von Blohm + Voss: „Wir lehnen einen Verkauf an die Lürssen Werft grundsätzlich ab.“ Die Arbeiter befürchten, dass in Hamburg wie in Kiel hunderte von Arbeitsplätzen gestrichen werden. Auch der Werfteigner Thyssen-Krupp hält die Bremer Offerte für unseriös und bleibt bei ihrem Plan, die Werft an einen Finanzinvestor zu verkaufen. Der britische Star Capital Partner prüft gerade die Bücher der Werft. Nach einem Zeitungsbericht soll sich das Private-Equity-Unternehmen beim Betriebsrat und Aufsichtsrat vorgestellt haben und hat „dort offenbar einen recht guten Eindruck hinterlassen.“ Wir werden demnächst wissen, ob Star Capital Partner die Werft kauft und wie viele Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben.
Die Hafencity sollte für die Hansestadt einmal Maßstäbe setzen. Die Politiker, voran die der CDU, träumten von „edler Architektur und Überschüsse für die Kasse der Hansestadt.“ Heute, zehn Jahre nach Baubeginn ist das größte europäische Stadtentwicklungsprojekt eine teure Angelegenheit für die Steuerzahler der Stadt geworden.
Nicht nur die Kosten für die Elbphilharmonie explodierten. Der Musiktempel sollte einmal ohne einen Euro Steuergeld auskommen. Keiner weiß, wann das erste Konzert stattfinden kann und wie teuer das Unternehmen Elbphilharmonie in der Endabrechnung zu stehen kommt. Dabei ist sie das Sinnbild für den neuen Stadtteil Hafencity. Auf 157 Hektar des ehemaligen Hafenareals nördlich der Innenstadt wird das „Neue Hamburg“ hingestellt. Wohl in einem Anflug von Größenwahn wollten die Hamburger Lokalpolitiker, allen voran die der CDU, weltweite Maßstäbe setzen: städteplanerisch, architektonisch und kulturell. Über die Hälfte der Neubauten steht inzwischen. Sollte der Verkauf der Grundstücke ursprünglich Geld in die klamme Hamburger Kasse spülen, liefen die Dinge anders. Es wurde nichts.
Die neue U-Bahn-Linie 4 verbindet die Hafencity mit der Innenstadt. Die derzeitigen Kosten für die vier Kilometer lange Tunnelstrecke und ihren zwei Haltestellen betragen 324 Millionen Euro und werden aus dem Steuertopf der Stadt gezahlt. Von den derzeit 26.000 Quadratmetern Bürofläche der Hafencity sind erst ein Drittel vermietet. Und weitere 50.000 Quadratmeter Bürofläche kommen hinzu. Die drei privaten Projektentwickler waren vor Baubeginn sehr schlau, für diese Flächen einen Mieter zu verpflichten – die Hansestadt Hamburg. Bereits 2005 hat sie zugestimmt, mit Behörden für mindestens 15 Jahre in die Räume einzuziehen, sollte sich kein anderer Mieter finden. Da bereits ein großer Leerstand von Büros in Hamburg vorhanden ist, werden auch hier weitere Kosten auf Hamburg zu kommen.
Für die Studenten, die an der Universität wie Fachhochschulen studieren, beschloss das Landesparlament der Stadt - die Bürgerschaft - im September die Studiengebühren ab Wintersemester 2011 zu erlassen.
Hamburg noch immer die Hauptstadt des Glücks?
khw |