04.09.2011
Hamburger Korrespondenz

Zweifel an Zeitplänen

Nach wie vor ist die Elbphilharmonie das Streitthema in Hamburg. Wieder einmal sind es die Baukosten, die sollen um satte 100 Millionen Euro steigen. Nach wie vor gelangen die Informationen um den Bau nur tröpfchenweise an die Öffentlichkeit. Die 100 Millionen Euro will der Bauträger Hochtief – nun im spanischen Besitz – kassieren.

Bereits seit Baubeginn zeigt sich der Bau als ein Fass ohne Boden. Inzwischen betragen die Gesamtkosten 550 Millionen, von denen die Hansestadt Hamburg mindestens 323 Millionen übernimmt. Die von Hochtief angekündigten Mehrkosten von 100 Millionen Euro sind nicht der erste Versuch des Baukonzerns, Profit zum Wohle der Aktionäre zu machen. Als die Hamburger Bürgerschaft den Musiktempel 2007 einstimmig beschloss, wurde noch gesagt, der Bau sei zu einem Festpreis zu haben. Die neue parteilose Kultursenatorin Barbara Kisseler will sämtliche Nachforderungen von Hochtief durch ein Gericht klären lassen. In den Sternen steht auch, wann das Haus eröffnet und die ersten Konzerte stattfinden.

Seit Jahren wird über die Elbvertiefung gesprochen. Das ist der Wunsch der Reeder und Spediteure, dass Containerschiffe mit einem Tiefgang von über 16 Metern den Hamburger Hafen tideunabhängig anlaufen können. Die dänische Reederei Mærsk mit ihrer Emma-Klasse machte den Anfang. Inzwischen wurden bei der Daewoo-Werft in Südkorea zwei neue Supercontainerfrachter bestellt, die bei einer Länge von 400 Metern und 59 Meter Breite 18.000 TEU-Container aufnehmen können.

Gegen eine Elbvertiefung haben sich vor allem Umweltschützer, voran der NABU und die Obstbauern im Alten Land, ausgesprochen. Fraglich ist auch, ob bei einer Vertiefung der Fahrrinne der Elbe die Deiche noch standsicher sind. Anderenfalls müssen die Deiche links und rechts der Elbe aufwendig verstärkt, wenn nicht sogar erneuert werden. Nach den Plänen des Hamburger Senats soll bereits Ende 2011 mit den Arbeiten begonnen werden. Der Ministerpräsident von Niedersachsen, McAllister, hat seine Zustimmung zur Elbvertiefung davon abhängig gemacht, wie die Zweifel der Obstbauern ausgeräumt und die Frage zur Standsicherheit der Deiche geklärt ist. Auch bei der Elbvertiefung werden die Vorgaben des Zeitplan nicht eingehalten.

Nach den Auflagen der EU-Wettbewerbshüter wird aus der HSH-Nordbank eine geschrumpfte Regionalbank. Jeder dritte Arbeitsplatz wird gestrichen. Aufgegeben werden muss die Flugzeugfinanzierung, das ausländische Immobiliengeschäft wie auch Teile der Schiffsfinanzierung. Geschlossen werden ihre Standorte Amsterdam, Paris und Shanghai. Die HSH-Nordbank soll künftig unterhalb der Großbank aber oberhalb der Sparkassen das Geschäft machen. Nach einem Minus von 380 Millionen Euro wurde ein erster Nettogewinn von 338 Millionen erzielt. Noch aber bürgen die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein für die finanziellen Risken der Bank. Strafrechtlich ist der Fall HSH-Norbank auch noch nicht abgeschlossen.

Die traditionsreiche Werft Blohm + Voss hat noch keinen neuen Eigner gefunden. Die angekündigten kaufwilligen Engländer schauen sich die Bücher an und haben sich noch nicht entschieden. Hamburg ohne Werft ist derzeit nicht vorstellbar. Aber wenn sich kein Käufer findet, dann gehen bei der Werft auf Steinwerder die Lichter aus.

Etwas Positives läßt sich trotzdem aus der Hansestadt zu vermelden. Seit dem 1. September 2011 ist in Bussen, Bahnen und Schiffen jeglicher Konsum von Alkohol verboten. Bis zum Ende des Monats wird bei Zuwiderhandlung eine Verwarnung ausgesprochen. Ab 1.Oktober 2011 sind es 40 Euro, die vom Täter gefordert werden. Das Hamburger Verbot von Alkohol in Bahnen, Bussen und Schiffen ist für die Republik zur Nachahmung empfohlen.
khw