04.08.2011
Hamburger Korrespondenz

...zu Lasten des Steuerzahlers

In diesen Tagen wurde bekannt, die Kosten für die Sicherung des Hauses vom Ex-CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus belaufen sich auf über 800.000 Euro. Dabei ist der Mann nach verlorener Bürgerschaftswahl im Februar des Jahres ohne Amt. Zum Gelderwerb ist das Bürgerschaftsmandat geblieben. Da seine Frau Simone demnächst Mutter wird, kann sie als Immobilienfachfrau nix in die Kasse bringen. Derzeit ist ihre Sylter Ferienwohnung im Ortsteil Keitum an zahlende Urlauber vermietet. Zur Sicherung der Villa im Hamburger Ortsteil Nienstedten gingen über einhundert Leserbriefe bei einer Hamburger Morgenzeitung ein, die nicht zum Axel Springer Konzern gehört.

In den kommenden Monaten macht die HSH-Nordbank erneut Schlagzeilen. Den ehemaligen Vorständen droht eine Anklage wegen Untreue. Hamburgs Staatsanwaltschaft will offenbar gegen alle im Dezember 2007 amtierende Vorstände der Bank Anlage erheben. Den in dieser Zeit zuständigen Vorständen der Resorts Kapitalmarkt und Finanzen Jochen Friedrich und Dirk Jens Nonnenmacher droht eine Anklage wegen Falschdar- stellung der Unternehmensverhältnisse. Es geht um das „Omega“-Geschäft. Das hochriskante Wertpapiergeschäft endete in den Büchern der Eigentümer - die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein – mit 334 Millionen.

Die Ermittler staunten über Nonnenmachers Aufhebungsvertrag, der dem Mann große Privilegien einräumt. Im Fall einer Anklage gegen Nonnenmachers ist die HSH-Nordbank zu Rückforderungen nicht berechtigt. Bis März 2011 konnte er 1,8 Millionen Euro erfolgsbedingte Tantiemen einsacken. Als Zubrot erhielt er zur Abgeltung aller vertraglichen Ansprüche weitere 2,13 Millionen Euro. Selbst anwaltliche Beratungskosten bis zu einer Höhe von 85.000 Euro übernahm die HSH Nordbank. Ab Oktober 2015 wird der Ex-Vorstandsvorsitzende Nonnenmacher weitere 1,5 Millionen Euro kassieren. Diese Summe wurde ihm vom Ex-CDU Wirtschaftsenator Wolfgang Peiner als Altersversorung zuzüglich 1,4 Millionen Euro Sofortzahlung zugesichert.

Ungemach steht auch der Kultur ins Haus. Dieser Tage wurde bekannt, dass die Elbphilharmonie frühestens im Frühjahr 2014 fertig gestellt ist. Nur absolut sicher ist dieser Termin auch noch nicht. Ob der Konzertsaal über der Elbe ab Herbst bespielt werden kann, hierfür gibt es keine Zusagen. Der Baukonzern Hochtief, nun in spanischem Besitz, behält sich über das Jahr 2014 hinaus weitere Verschiebungen vor. Damit setzt sich fort, was seit Baubeginn 2007 mit einer endlosen Kette von Verzögerungen und Verteuerungen begann. Der Musiktempel sollte einmal 77 Millionen Euro kosten, ohne den Steuertopf der Stadt zu belasten, die ausschließlich von Sponsoren bezahlt werden sollten. Auch die heute genannten 400 Millionen Euro scheinen nicht das Ende der Kosten zu sein. Und wie teuer die Karten für das noble Musikhaus sein werden, darüber herrscht großes Schweigen.

Da wollte Ertan Çetik mit seinem Dönerfleischbetrieb mit seinem Betrieb von der einen Ecke des Schanzenviertels in eine andere Ecke umziehen. Das bundesweit bekannte Hamburger Quartier für Protest und Konfrontation mit der Bereitschaftspolizei, die mit Wasserwerfern anrückt, entwickelt sich langsam zum neuen Szenestandort Hamburgs. So finden die Menschen hier eine Dönerfabrik auf einer achttausend Quadratmeter großen Brache, die seit über 15 Jahren leer steht, nicht schicklich. Eine Initiative bildete sich jüngst, die brachte ihr Ansinnen, Kampf gegen den Dönermann Çetik und den neuen Standort seiner Fabrik, unter die Leute. So kam es zu einem Bürgerbegehren. Als der Dönermann davon hörte entschied er sich für einen anderen Standtort im Multikultistadtteil Altona. Über kurz wird er seinen Namen ändern, wenn das unmögliche schwedische Möbelhaus seine Pforten öffnet und sich IKEA nennen.
khw