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Hamburger Korrespondenz
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| Dunkle Wolken über Hamburg – kommt das Ende für den Werftstandort? |
Der Verkauf von Hamburgs Traditionswerft Blohm+Voss an den arabischen Investor Abu Dhabi Mar ist gescheitert. Der Essener Industriekonzern Thyssen-Krupp muss nun einen neuen Käufer für sein Werftgeschäft von Megayachten, Schiffskomponenten und Reparaturen suchen.
Seit über zwei Jahren zogen sich die Verhandlungen mit dem Käufer aus den Vereinigten Arabischen Emiraten hin. Zuletzt waren diese mehr als zähflüssig. Dabei hatte Thyssen-Krupp bereits im Oktober 2010 verkündet, ein Vertrag sei verhandelt, was noch fehlen sind die Unterschriften. Die Unterzeichnung des Vertrages sollte in den nächsten Wochen erfolgen. Nur dazu kam es nicht, dafür das Aus.
An die Abu Dhabi Mar konnte Thyssen-Krupp nur das zivile Schiffbaugeschäft der kleineren Kieler Werft HDW-Gaarden verkaufen. Hier sind nur 180 Mitarbeiter beschäftigt. Anders bei Blohm+Voss in der Hansestadt, hier sind es 1600 Mitarbeiter. Stark beeinflusst haben sicherlich die Verhandlungen die leeren Auftragsbücher der Hamburger Werft.
Nach dem Scheitern des Verkaufs der zivilen Schiffbausparte von Blohm+Voss an den arabischen Werftenverbund Abu Dhabi Mar muss die Stadt wieder einmal entscheiden, ob sie als Retter zur Verfügung steht. Kaum wurde vom Thyssen-Krupp-Konzern, zu dem die Werft gehört, das Ende der Verhandlungen bekannt gegeben, ging die politische Auseinandersetzung in Hamburg los. Gefordert wird von der Stadt eine Notfallbürgschaft zum Erhalt von Arbeitsplätzen bei Blohm+Voss und um den Werftstandtort zu sichern.
Bereits schon im August 1997 bewilligte ein von der SPD geführter Senat der Traditionswerft eine Bürgschaft über 69,5 Millionen Euro für zwei Kreuzfahrtschiffe, die "Olympic Voyager" und die "Olympic Explorer". Das war die höchste Bürgschaft, die der Senat bis dahin übernommen hatte. Die Schiffe im Wert von je etwa 175 Millionen Euro wurden in den Jahren 2000 und 2002 abgeliefert, da steckte die griechische Reederei Olympic World Cruise Lines (ROC) schon in Schwierigkeiten. 2004 wurden die beiden Schiffe versteigert, doch die Erlöse deckten nicht die laufenden Kosten und Kredite. Der Stadt kostete das Abenteuer mit den Kreuzfahrtschiffen 50 Millionen Euro. Nun wollen Bürgerschaftsabgeordnete vom Senat wissen, in welcher Höhe der Thyssen-Krupp-Konzern Rückzahlungen geleistet hat.
Mit Absage der arabischen Interessenten wurde auch bekannt, dass es seit Wochen mit der Konzerngesellschaft Thyssen-Krupp Marine Systems (TKMS) bereits Gespräche mit dem Hamburger Senat über Staatshilfen gegeben hat. Diese wurden mit dem parteilosen Wirtschaftssenator Frank Horch geführt. Das ist nicht verwunderlich, da Horch selbst einmal als Blohm+Voss-Geschäftsführer bei der TKMS angestellt gewesen ist. Da der Fall nun akut wird, hat der Wirtschaftssenator die Sache an die Finanzbehörde abgegeben. So kann man ihm keine persönliche Verstrickungen vorwerfen. Die Finanzbehörde hat dem Unternehmen erst einmal in einem Schreiben aufgezählt, welche Hilfsmöglichkeiten sie hat. Hamburg hat bereits den Unternehmen Beiersdorf, Aurubis und Hapag-Lloyd in Notlagen auf unterschiedlichste Art und Weise geholfen. Nur das kann die Hansestadt Hamburg nicht: Blohm+ Voss neue Aufträge verschaffen. Das ist aber das Problem der Werft mit ihren 1600 Mitarbeitern. Im Zuge des Konzernumbaus hatte am 13. Mai der Aufsichtsrat beschlossen, dass sich Thyssen-Krupp Marine Systems in Zukunft allein auf den militärischen Schiffbau konzentriert. Dabei wurde den Beschäftigten eine Rückversicherung gegeben. Betriebsbedingte Kündigungen darf es nicht geben und die Arbeitnehmervertreter müssen in einem Verkaufsprozess rechtzeitig und umfassend eingebunden werden.
Die IG Metall Küste wertet den gescheiterten Verkauf als einen herben Rückschlag. Der Vertreter der IG Metall Heino Bade gegenüber der Presse zu den Zusagen vom 13. Mai: „Wir erwarten, dass sich der Konzern an diese Zusagen hält.“ Auch einen Erfolg kann die Werftgruppe melden. Der Vertrag mit der Türkei über Lieferung von sechs U-Booten im Wert von 2 Milliarden Euro ist nach Eingang der Anzahlung in Kraft getreten.
khw |