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Hamburger Korrespondenz
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| Über US-Heuschrecken und einen vergessenen Namen |
In allen Ballungszentren der Republik besitzt das Immobilienunternehmen GAGFAH einen großen Wohnungs- bestand, der sich Ende 2010 auf 158.314 Wohnungen belief. In Dresden sind es 37.867, Berlin 23.623 und Hamburg 9.375 Wohnungen, um nur einige Orte zu nennen. Das Immobilienunternehmen ist auch in Hannover, Bielefeld, Wuppertal und Heidenheim tätig. Damit ist die GAGFAH eine der größten in der Bundesrepublik und im Eigentum der Fortress Investment Group in New York City.
Das Immobiliengeschäft hierzulande besorgt ihre deutsche Tochter mit Sitz in Frankfurt am Main. Im September 2004 erwarb die Fortress die GAGFAH mit ihren 81.000 Wohnungen von der damaligen Bundesanstalt für Angestellte (BfA). Den Segen zum Kauf dieser Wohnungsimmobilien gab die für Soziales zuständige Ministerin Ulla Schmidt, SPD.
In der Hansestadt befinden sich ein Großteil der GAGFAH-Wohnungen im Stadtteil Wilhelmsburg, der wegen seines großen Ausländeranteils ein sozialer Brennpunkt der Stadt ist. Wie überall im Wohnungsbestand der Fortress sind auch hier die Wohnungen marode. Sie sind verschimmelt, Tapeten fallen von den Wänden, Balkone und Fassaden bröckeln ab. Die Treppenhäuser und Keller sind mit Graffiti verschmiert. Ehemalige GAGFAH-Führungskräfte berichten davon, wie das Wohnungsunternehmen zu Gunsten seiner Aktionäre an der Instandhaltung spart. Nun sind die Bezirksämter gefordert, damit sich etwas für die Mieter ändert. Dabei verfügt Hamburg mit seinem Wohnraumschutzgesetz über ein Instrument, um die Interessen der Mieter bei Fortress durchzusetzen. Nur dazu fehlen in der Stadt die ausgebildeten Mitarbeiter. Vielleicht wird sich an diesem Zustand bis 2013 etwas ändern. In dem Jahr wird in Hamburg-Wilhelmsburg die Internationale Gartenschau eröffnet, mit der dieser Stadtteil aufgewertet werden soll. Dazu werden große Teile von Wilhelmsburg umgestaltet.
Seit 10 Jahren stehen in Hamburg-Neuenfelde rund fünfzig Häuser leer. Nachts brennt in den Wohnungen Licht und Sicherheitsleute gehen auf Kontrollgänge. Auch der Rasen der Vordergärten wird gemäht. Die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft SAGA hat die Häuser im Auftrag des Hamburger Senats aufgekauft, um so Klagen gegen Airbus wegen Lärmschutz zu verhindern. Nun soll es Schluss mit Geisterstadt werden und wieder Mieter einziehen.
Hamburg feiert stets am 8. Mai seinen Hafengeburtstag. Somit kann auch ein historisches Datum verdrängt werden. Ähnlich verhält es sich mit den Personen, die nach 1945 den Neuanfang des Rundfunks in der Stadt prägten. Zu den Männern der ersten Stunde gehörte auch der 1899 in Leipzig geborene Axel Eggebrecht, der 1991 in Hamburg starb. Eggebrecht war Mitarbeiter der »Weltbühne« und der »Literarischen Welt«. Nach 1933 wurde er mehrere Monate im Konzentrationslager Hainewalde inhaftiert und schlug sich nach seiner Freilassung unter Decknamen als Drehbuchautor für Spielfilme durch.
In der Nähe des NDR-Hörfunks befindet sich die Sophienterrasse. Hier residierte über Jahrzehnte in einem bombastischen Bau aus der Nazizeit das Wehrbereichskommando. Diese Straße wäre geeignet, nach Axel Eggebrecht Terrasse umbenannt zu werden. Vielleicht kommt die späte Einsicht, ein solches zu tun.
khw |