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Die Bourgoisie feiert sich:
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| Preise für Joachim Gauck und Liz Mohn |
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Es ist nicht einmal ein halbes Jahr her, als die systemtreuen deutschen Medien und ein großer Teil der politischen Klasse im Spiel "Deutschland sucht den Superstar" Joachim Gauck als Bundespräsidentenkandidaten ins Gespräch brachten. Es reichte zwar nicht zum Supergauck, aber nach dem grellen Mediengetöse wissen wir nun alle: Der "Ex-Stasiakten-Schnitzel-Kleber" Gauck ist ein "Freiheitskämpfer", "Selbstreiniger der DDR-Geschichte", "Selbstdenker", "Überzeugungstäter ohne Parteibuch" und so weiter und sofort. |
Der einflussreiche Verband der Zeitungsverleger VDZ will den Freiheitskämpfer am 18.11.2010 mit der "Ehrenvictoria" für sein Lebenswerk auszeichnen, offensichtlich ein Trostpflästerchen nach der verlorenen Bundespräsidentenwahl. Die Laudatio hält sinnigerweise Christian Wulf, der gekürte Superstar. Keine Frage, eine illustre Gesellschaft gibt sich da ein Stelldichein. Hier weiß man - Gauck, Wulf, VdZ - : Der Krieg in Afghanistan ist gut, Hartz IV ist notwendig, die Rente ab 67 rettet uns alle, die DDR war wie unter Hitler eine finstere Republik, die Ostdeutschen können sich an den "Status eines Bürgers" nicht gewöhnen, sie verhalten sich wie "Untertanen".
Der Verband der Zeitungsverleger: "Wir zeichnen damit eine Persönlichkeit aus, die wie nur wenige die Kultur des wiederver- einigten Deutschlands geprägt hat". Im Klartext heißt das: "Joachim Gauck hat sich nach einem kampferfüllten Leben im Dienste der Bourgoisie für die gemeinsame Sache eine herausragende Ehrung verdient". Leider gibt es wie beim Bundespräsidenten weder ein lebenslanges Gehalt, noch einen Chauffeur mit Dienstwagen noch eine Leib-Sekretärin. Verdient hätte er es sich.
Im Schatten der Gauck-Ehrung gibt es ein weiteres Schickeria-Event: Liz Mohn, die Herrscherin über Bertelsmann und RTL, wird mit der "Goldenen Victoria für Integration“ geehrt. Mit diesem Preis werden verdiente Menschen mit besonderem Engagement gewürdigt.
Frau Mohn ist bekannt dafür, dass sie Ehrungen sammelt, nach dem Motto "Eitelkeit ist die Gabe, sich noch wichtiger zu nehmen, als man sich fühlt."
Dass ihre persönlichen Begabungen in krassem Widerspruch zu ihrer Machtfülle stehen, skizzieren die Aufzeichnungen eines Menschen, der Frau Mohn persönlich erleben durfte:
"Bei der Rede wurde mir so schlecht, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll.
Vielleicht beim unwesentlichsten Punkt: Die Rede sollte der Frau peinlich sein. Sie war undeutlich vorgetragen, versank im Wortchaos ("qualativ", "Zusammbeit") und in fehlender Grammatik. Vollkommen zusammenhangslose Themenwechsel kamen beinahe schon im Sekundentakt. Ich habe in einem solchen Rahmen noch nie eine so schlechte Rede gehört - außer vielleicht von George W. Bush."
Auch die "Welt", Kampfblatt der "Freien Wirtschaft", hat keinen besonders guten Eindruck von ihr: "...diese Risiken haben mit der Person Liz Mohn zu tun. Die 69 Jahre alte Frau ist den Aufgaben, die sich aus ihrer Machtfülle ergeben, nicht gewachsen..... Die gelernte Zahnarzthelferin, die Telefonistin in einem der Buchclubs war, als sie Reinhard Mohn Ende der fünfziger Jahre kennenlernte, ist in Sachen Strategie und Management nach wie vor überfordert." Und gerade einer, der von Strategie Ahnung haben müsste, hält auf Frau Mohn die Laudatio: Joachim Löw, der derzeitige Fussballbundestrainer. Ein faux-pas aus Unkenntnis? Oder geblendet vom Einfluss und Reichtum der schönen Erbin?
Liz Mohn schaffte es nun auf Platz 14 der Reichsten dieser Welt. Die Eigentümerin des Medienkonzerns Bertelsmann wird samt Familie statt ihres verstorbenen Ehemanns Reinhard Mohn (2009 auf Platz 27) gelistet. Ihr Vermögen stieg laut „Forbes“ verglichen mit 2009 von 2,5 auf 4,4 Milliarden Dollar. |
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