09.03.2010
Meinungsdiktatur der Bourgoisie
Der Bayrische Rundfunk mit der Zensurschere

Viele Menschen wissen es gar nicht, aber jetzt ist es in aller Munde. Alljährlich versammelt sich die Politprominenz in München auf dem Nockherberg zum Paulaner Starkbieranstich, um zu saufen und sich zu zeigen. Veranstaltungsmotto "Mit Münchner Lebensart zum Erfolg" Aber diesmal gab es Krach.

Grund war der Angriff des Kaberettisten Michael Lerchenberg in der Rolle des Bruder Barnabas auf den FDP-Parteichef und Außenminister Westerwelle, der mit seiner Polemik gegen Hartz-IV-Empfänger, die in "anstrengungslosem Wohlstand", als Ausdruck einer "spätrömischen
Dekadenz" leben sollen, ganz gezielt durch Diffamierung für Aufmerksamkeit gesorgt hatte.

gehabt. Zweimal am Tag gibt's a Wassersuppn und einen Kanten Brot. Statt Heizkostenzuschuss gibt's zwei Pullover von Sarrazins Winterhilfswerk, und überm Eingang, bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen.

Die Noch-Vorsitzende des Zentralrats der Juden Frau Charlotte Knobloch beklagte sich mit dem Argument, dass dieser Vergleich die Verbrechen in den KZ verharmlose. Offensichtlich hatte sie nicht richtig zugehört. Lerchenberg hatte nur indirekt auf die Verhältnisse der Nazi-Zeit verwiesen. Es ging bei seinem Vergleich ersichtlich nicht um das grauenhafte Morden in den Vernichtungslagern, sondern um die perverse Parole der Nazis, dass Arbeit in Gefangenschaft frei machen soll. Aber selbst das ist tabu und soll es bleiben. Aber wer sich ein bißchen Verstand erhalten hat, wird zugeben müssen, dass die aktuelle Forderung, Arbeitslose zum Nulltarif zum Arbeiten zu zwingen, von der Vorstellung der Nazis nicht weit entfernt ist.

Nach Frau Knobloch entrüstete sich dann auch noch Herr Westerwelle persönlich, der ansonsten gerne mal die eigene "Zuspitzung" ganz legitim findet und meint, man müsse dieses und jenes doch einfach sagen können. Er schrieb in einem (Stille Post-) Brief an den Paulanerchef vom Nockherberg, dass er keine Einladung mehr bekommen wolle: "Mit einem KZ-Wächter verglichen zu werden, geht zu weit."

Michael Lerchenberg wurde gefeuert. Und was ihn ehrt: Er nahm nichts zurück.

Dem Bayrischen Rundfunk ging es demgegenüber stinkend in die Hosen.
Er duckte sich vor der schwarz-gelben Meinungsvielfalt und schnitt die Passagen kurzerhand aus der Wiederholungssendung. Dazu gleich auch noch ein paar andere unfreundliche Stellen, in denen es um Kritik an der bayrische Staatsregierung ging.