19.02.2010
Frau Merkels Geheimtreffen
Wie Journalisten ihre Seele verkaufen

Schlägt man die Zeitungen auf oder sieht man die Fernsehprogramme, immer das gleiche Lied:
Es wird zwar über Politik berichtet, aber ohne Hintergrund und völlig kritiklos. Es wird an Information höchstens das wiedergekäut, was die Pressestellen der Politik und Konzerne verbreiten.

Journalisten und Politiker verstehen sich heute nicht mehr als Gegner, sondern als Partner. Die Medien haben die Funktion der Vierten demokratischen Gewalt im Staat aufgegeben. Und Angela Merkel weiß das. Wenn sie, wie kürzlich zu lesen war, zu Journalisten redet, dann hört sich das
an, als seien sie Mitarbeiter einer Abteilung im Kanzleramt. Und das Schlimmste ist, immer mehr Journalisten nehmen diese unterwürfige Rolle an (s. u. Zapp-Beitrag). Zu Ende gedacht, heisst die Frage: warum brauchen wir eigentlich noch Journalisten? Es reichen Pressesprecher der Politik und Konzerne, für ihre gelackten Informationen.

Wie korrumpierbar und politisch verkommen deutsche Spitzenjournalisten inzwischen sind, hat Jakob Augstein Herausgeber des "Freitag" beschrieben.

Am 8. Oktober 2008, in der Zeit des Ausbruchs der Finanzkrise, hatte es ein sonderbares Treffen gegeben. Die Bundeskanzlerin hatte an jenem Tag die bedeutenden Chefredakteure der bedeutenden Medien eingeladen.

Merkel bat die Journalisten, zurückhaltend über die Krise zu berichten und keine Panik zu schüren.

Wie bei geistiger Korruptheit nicht anders zu erwarten ist: Sie haben sich daran gehalten, die Chefredakteure. Noch im Februar 2009, vier Monate später, wunderte sich die taz über die Medien: “Sie halten die Bürger bei Laune, auf dass diese stillhalten.
Wie viel Geld bereits in die Banken gepumpt wurde, wie viele
Milliarden Bürgschaftszusagen vergeben wurden (und wie viele Hartz-IV-Monats”löhne” das sind), das steht auch nicht in der Zeitung.”

“Wenn Journalisten ihre Unabhängigkeit verlieren, werden sie zu Dienern. Zu Staatsdienern. Solche Journalisten braucht kein Mensch," (Jakob Augstein).

Die Wahrheit verdrehen und unterdrücken, das hat in Deutschland eine lange Tradition. "Pressefreiheit ist die Frei- heit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten (Paul Sethe)" oder anders ausgedrückt: Pressefreiheit die "Ausgeburt eines kranken Gehirns", wie es Mitte des 19. Jahrhunderts in einer päpstlichen Enzyklika zu lesen war.

Zapp: Die Medien belügen euch