11.11.2009

Deutsche Gedenktage

Mauerfall und Nazi-Morde

Dieses Mal haben wir den 9. November in Deutschland event-geprägt als „Domino-Day“ gefeiert. Übertragen wurde er von ARD und ZDF bis zu RTL. Fast ein verordneter Staatsfeiertag.

Alle waren dabei, als in Berlin bunt bemalte Styropor-Steine vor dem Brandenburger Tor umgekippt sind. Genau wie am 9. November vor 20 Jahren, als die Mauer fiel. Das damals etwas überforderte und heute vollständig gewendete Politbüromitglied Schabowski las auf einer Pressekonferenz von einem Zettel die Regeln der neuen Reisefreiheit vor: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“
Seither feiern wir am 9. November in Deutschland die Vereinigung, die friedliche Revolution.

Der 9. November 1938, an dem die Deutschen jüdische Geschäfte und Synagogen kurz und klein geschlagen haben, ist nicht ganz vergessen, aber etwas aus dem Auge verloren worden.

Na ja, es war ja auch ein wenig erfreulicher Tag damals, vor allem für unsere jüdischen Mitbürger und Mitbürge- rinnen und er liegt ja auch schon etwas weiter zurück.

Ihrer gedacht wurde an diesen 9. November aber auch.

Zwischen 1.500 und 2.000 überwiegend junge Menschen trafen sich, um an die deutschen Untaten zu erinnern. Von der ehemaligen Synagoge in der Moabiter Levetzowstraße bis zum Deportationsmahnmal auf der Putlitzbrücke liefen sie, diesen Weg gingen ab 1942 über 30.000 der insgesamt 50.000 deportierten Berliner Juden. Es gab weder Feuerwerk noch öffentliche Anerkennung.

Es gab Personendurchsuchungen von Kundgebungsteilnehmern, angeblich zum Schutz vor Rechtsradikalen. Andere nannten das "Kriminalisierung der Veranstaltung".

Es hätte ja der „Wohlfühltaumel“ am Brandenburger Tor beeinträchtigt werden können, der auch "die Erinnerung daran verschluckt, dass damals zwischen NS-Regime und deutscher Mehrheits- bevölkerung die Reihen fest geschlossen waren – gegen Jüdinnen und Juden, aber auch gegen Sinti und Roma und alle anderen, deren Leben als „lebensunwert“ galt"

Der Freitag vom 10.11.2009