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Hamburger Korrespondenz
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Gegen den Abriss der letzten Häuser im Gängeviertel in der Innenstadt hatten Ende August 2009 Künstler die Häuser besetzt. Damit sollen die historischen Gebäude vor Verfall und Abriss gerettet werden. Gleichzeitig fordern Künstler vom Senat ein Mehr an Förderung. Aufmerksam wird mit dieser Handlung auch auf dringend benötigten Raum für die Kreativen gemacht.
Eine ähnliche Aktionen gab es bereits in den letzten Jahren in London. Die Hansestadt brüstet sich gerne als Kulturstadt, bis auf den Bau der ständig teurer werdenden Elbphilharmonie wird nichts getan. Die Künstler erwarten nun vom Senat, dass sie die Verantwortung für die kulturelle und soziale Vielfalt der Stadt übernimmt und dabei mit den Künstlern konstruktiv zusammenarbeiten. Das Ziel soll die Gestaltung eines neuen, öffentlich zugänglichen und finanziell unabhängigen Kunst- und Kulturzentrums im Herzen der Stadt sein.
Die städtische Sprinkenhof AG als Eigentümer hat den seit Jahren leer stehenden Gebäudekomplex an den niederländische Investor Hanzevest verkauft. Trotz Denkmalschutzes der Immobilie will der neue Eigentümer aufwendig Büros und Wohnungen bauen. Durch die neuen Bauten werden 80 Prozent der historischen Gebäude abgerissen. Ende Oktober haben die Hausbesetzter, nach dem die Kulturbehörde den Künstlern neue Räume zur Verfügung gestellt hat, die Hausbesetzung abgebrochen. Das Beispiel zeigt, wie der Senat mit einem historischen Quartier umgeht, dabei nur den Euro im Blick hat.
| In diesen Wochen bekommt die Grosswerft Blohm+Voss einen neuen Miteigentümer |
Die Werft - von ihren Arbeitern nur die Knochenmühle genannt - wird von Abu Dhabi Mar aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) übernommen. Zuvor hatten die Araber bereits die französische Werft CMN in Cherbourg und die Kapitalmehrheit der Rendsburger Werft Nobiskrug erworben. Derzeit wird bei Blohm+Voss für 800 Millionen Euro ein Luxusobjekt gebaut. Auftrageber der 162 Meter langen Yacht ist der russische Milliardär Roman Abramowitsch. Vor dem Weihnachtsfest will er per Hubschrauber bei Blohm+Voss einschweben und sein Prunkstück abholen. Dieses verfügt über Finessen, die der Topagent James Bond bisher bei seinen Film-Yachten nicht hatte.
Mit dem Verkauf von Blohm+Voss trennt sich der Eigentümer Thyssen-Krupp vom Hamburger Schiffsbaustandort. Die Abu-Dhabi-Mar-Gruppe des Scheichs Hamdan Bin Zajed AI Nahjan steigt mit 80 Prozent ins Luxus-Yachten- und Reparaturgeschäft ein. Im Marineschiffbau schließen Thyssen-Krupp und der Scheich eine Kooperation als gleichberechtigte Partner. Das Geschäft zeichnete sich ab, seit Thyssen-Krupp seinen Ausstieg aus dem zivilen Schiffbau angekündigt hatte. Für Hamburg ist der Besitzerwechsel ein Einschnitt. Die Werft liegt an der Elbe gegenüber der Touristenmeile Landungsbrücken. Die Werft ist ein Symbol des Welthafens und mehr noch als die großen Containerterminals, die einige Kilometer elbabwärts liegen.
| Es wird eng für Dirk Jens Nonnenmacher titelte jüngst eine Wochenzeitung. |
Seit Monaten steht der Chef HSH-Nordbank in den Schlagzeilen. Von der dänischen Grenze bis nach Bayern ist dieser Banker bekannt. Nun ermittelt auch die Hamburger Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Untreue in der Hamburg und Schleswig-Holstein gehörenden Landesbank gegen den Mann. Das ist noch keine Verurteilung aber doch ein Schlag für Nonnenmacher, einem Mathematiker. Vor elf Monaten stieg er zum Vorstandsvorsitzenden der Skandalbank auf. Damals wurde er, zuvor Finanzvorstand der HSH-Nordbank, als Retter präsentiert. Nun steht er selber unter Beschuß von Staatsanwälten bei den sogenannten „Omega-Geschäfte“.
Nach Recherchen des NDR verkaufte die HSH-Nordbank Ende 2007 hochriskanten Immobilien- papiere an die französische Bank BNP Paribas. Das klangt zunächst gut, entledigte sie sich dadurch doch einiger Risiken. Doch die musste sie an anderer Stelle gleich wieder einkaufen. Im Gegenzug übertrug die BNP Paribas die hochriskante Papiere an eine Gesellschaft namens Omega Capital Funding in Dublin. Für entstehende Verluste mußte aus diesem Geschäft die HSH-Nordbank haften. Das Kreislaufgeschäft Omega entwickelte sich für die HSH-Nordbank zum Desaster. Im Jahr 2008 musste sie darauf rund 500 Millionen Euro abschreiben, was dazu beitrug, dass sie im Oktober des Jahres nur noch mit Staatshilfe vor dem „Aus“ gerettet werden konnte. Besonders delikat ist in diesem Zusammenhang der Vorwurf, man habe bei dem Geschäft versucht, die Bankenaufsicht Bafin zumindest teilweise zu umgehen. Das wiegt schwer, insbesondere in der Politik der Stadt Hamburg und des Landes Schleswig-Holstein, die die Haupteigner der Bank sind.
In der CDU verweist man auf ein Gutachten, das der Aufsichtsrat zur Vorstandsverantwortung bei der Kanzlei Freshfields in Auftrag gegeben hat. Es liegt noch immer nicht vor. Einen Vertrauten hat Nonnenmacher noch in Hilmar Kopper. Bekannt wurde der Ex-Deutsche Bank Vorstandsvorsitzender mit dem Spruch, als er einst bei der Schneider-Pleite 50 Millionen als „Peanuts“ bezeichnete. Auf einer Pressekonferenz der HSH Nordbank gab es jüngst von Nonnenmacher nur die Erkenntnis: „Wir müssen die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen“.
khw
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