06.09.2009

Mit Bomben schafft man keinen Frieden

Bombenattacke auf Tanklastzug fordert über 100 Tote

fanden eine willkommene Ausrede im Mangel an Transportmitteln. Anfang Juli wurde Lord Ellenborough schließlich durch die öffentliche Meinung in Indien gezwungen, etwas für die Wiederherstellung der nationalen Ehre und des Ansehens der britischen Armee zu tun; dem entsprechend genehmigte er ein Vorgehen auf Kabul sowohl von Kandahar als auch von Dschelalabad aus. Etwa Mitte August waren Pollock und Nott hinsichtlich ihrer Bewegungen zu einer Übereinstimmung gelangt und am 20. August rückte Pollock auf Kabul vor, erreichte Gandamak und schlug am 23. eine Abteilung der Afghanen, überschritt am 8. September den Dschagdalok-Paß, schlug die vereinigten Kräfte des Gegners am 13. bei Tesin und bezog am 15. Lager unter den Wällen von Kabul.

Inzwischen hatte Nott am 7. August Kandahar geräumt und war mit seiner ganzen Macht auf Ghasni marschiert. Nach einigen kleineren Treffen schlug er am 30. August eine große Abteilung der Afghanen, besetzte am 6. September Ghasni, das vom Gegner aufgegeben worden war, zerstörte die Befestigungsanlagen und die Stadt, schlug die Afgha- nen noch einmal in ihrer starken Stellung bei Alidan und gelangte am 17. September in die Nähe von Kabul, wo Pollock sogleich Verbindung mit ihm aufnahm.

Schah Schudschah war lange vorher von einem der Häuptlinge ermordet worden, seither gab es keine reguläre Regierung in Afghanistan; dem Namen nach war Fath Dschung, sein Sohn, König. Pollock schickte eine Kavallerie-Abteilung, um den Gefangenen von Kabul zu Hilfe zu kommen; diesen war es jedoch gelungen, ihre Wache zu bestechen, und sie begegneten der Abteilung unterwegs.
Als Zeichen der Rache wurde der Basar von Kabul zerstört, wobei die Soldaten einen Teil der Stadt plünderten und viele Einwohner niedermachten. Am 12. Oktober verließen die Briten Kabul und marschierten über Dschelalabad und Peschawar nach Indien. Fath Dschung, der sich in einer verzweifelten Lage befand, folgte ihnen. Dost Muhammad wurde nun aus der Gefangenschaft entlassen und kehrte in sein Königreich zurück. So endete der Versuch der Briten, in Afghanistan eine ihrer Kreaturen auf den Thron zu setzen.

Und heute, 2009, sieht die Lage im Land am Hindukusch ähnlich wie vor 150 Jahren aus. Noch immer hat die Internationale Schutztruppe Isaf es nicht geschafft, dem Land mit Bomben die Wende zu bringen. So gab es jüngst wieder einen Nato Luftangriff. Dieser war von einem Bundeswehroffizier angeordnet. Im Klartext heißt das: befohlen. Anlass des inhumanen nächtlichen Angriffs der beauftragten US-Luftwaffe mit ihren F-15- Jagdbombern waren die von Taliban entführten zwei Tanklastwagen. Die Fahrzeuge sollten Treibstoff für die Nato und Bundeswehr in die Camps um und bei Kundus bringen. Mit ihrem illegalen Checkpoint hatten die Aufständischen die Tankfahrzeuge in ihre Gewalt gebracht. Den Treibstoff wollte sie offenbar in den von ihr kontrollierten Distrikt Char Dara bringen. Auf dem Weg dahin blieb einer der Tankfahrzeuge im Flußbett stecken.

Nach Augenzeugen begannen die Taliban in der Nacht den Treibstoff an Dorfbewohner, die mit Kanistern herbeieilten, zu verteilen. In diesem Moment wurden die Tankwagen mit us-amerika- nischen Bomben vom Typ GBU-38 bombardiert, worauf diese explodierten.

Nun wird gestritten um die Zahl der Toten und auch darüber, ob Zivilisten dabei waren. Für den Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung waren die getöteten nur Taliban, für den us-amerika- nischen Nato-General Stanley Mc Chrystal sind unter den Opfern auch Zivilisten zu beklagen. Wörtlich sagte der amerikanische Berufsoldat: „Für mich ist es klar, dass es einige zivile Opfer gab.“

Anders der Bundesverteidigungsminister Jung, er rechtfertigt den Nato-Luftangriff im Einsatzbereich der Bundeswehr in Afghanistan.